Schreckliche Verbrennungen nach K.o.-Tropfen

Elf Jahre nach Amputation: Jochen (29) trainiert heute ohne Beine für Triathlon

10. Juni 2021 - 17:36 Uhr

Jochen lag nach Unfall in Stuttgart vier Tage im Koma

Elf Jahre ist es her, dass Jochen Wier (29) im Krankenhaus aus dem Koma erwachte. Auf dem Dach einer S-Bahn hatte er schreckliche Verbrennungen erlitten, ihm mussten beide Unterschenkel sowie sein linker Arm amputiert werden. Erinnerungen an die Nacht, die sein Leben veränderte, hat er keine mehr, vermutlich wurden ihm K.o.-Tropfen verabreicht. Doch Jochen gab nicht auf. Heute lebt er in einer glücklichen Beziehung, hat einen festen Job – und ist sogar Triathlet.

Im Krankenhaus wurden K.o.-Tropfen im Blut nachgewiesen

Noch heute ist unklar, was in jener folgenschweren Nacht damals in Stuttgart genau passiert ist. Jochen war mit Freunden in der Stadt unterwegs, doch irgendwann ging der damals 18-Jährige verloren. Seine Freunde fanden ihn nicht wieder. Später wurde eine K.o.-Tropfen-ähnliche Substanz in seinem Blut nachgewiesen.

Wer Jochen die Tropfen verabreicht hat, ist nicht geklärt. Er hat keinerlei Erinnerungen an den Abend. Erst als er vier Tage später im Krankenhaus aus dem Koma erwachte, erfuhr er, dass er auf dem Dach einer S-Bahn gefunden wurde.

An der Starkstromleitung der Bahn erlitt Jochen schwerste Verbrennungen. 37 Prozent seines Körpers wurden verbrannt. Seine Überlebenschancen standen schlecht, doch die Ärzte retteten ihm das Leben – mithilfe mehrerer Amputationen.

Nach der Amputation: Für Jochen beginnt ein neues Leben

Für Jochen begann fortan ein neues Leben. Ein Leben, mit der er sich zunächst kaum arrangieren konnte. "Manchmal habe ich mir gewünscht, dass ich nicht überlebt hätte", erzählt er heute. "Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich mich von meinen Schmerzen erlösen könnte."

Doch Jochen kämpfte. Der Linkshänder lernte fortan mit der rechten Hand zu schreiben, seine Genesung machte enorme Fortschritte. Drei Wochen nach seinem Unfall war er überzeugt: Ich kann mir ein neues Leben gestalten.

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Mit Prothesen: Jochen trainiert für Triathlon

"Heute kann ich sagen, dass ich überwiegend glücklich und fröhlich bin", sagt Jochen elf Jahre nach der schrecklichen Nacht. Nach mehr als 30 Operationen und einem halben Jahr im Krankenhaus kann er heute problemlos auf Prothesen gehen.

Und mehr als das: Der 29-Jährige trainiert für Marathonläufe und Triathlonwettkämpfe. Zudem arbeitet er als Sozial- und Gesundheitsfachwirt bei einer Krankenkasse. Und auch in der Liebe sieht es gut aus: Kürzlich ist er gemeinsam mit seinem Freund in eine neue Stadt gezogen.

"Einige Menschen zeigen Mitleid mit mir. Das finde ich aber gar nicht gerechtfertigt", sagt Jochen heute. Seine Empfehlung an alle, die ebenfalls schwere Zeiten durchmachen: "Gebt die Hoffnung nicht auf!" Er verrät: "Ich hatte einen schweren Unfall, ich hatte auch harte Zeiten. Doch heute geht es mir gut."

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.

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