Amoklauf von Florida: Attentäter gesteht Mord an 17 Menschen - nach dem Blutbad ging er einkaufen

16. Februar 2018 - 8:17 Uhr

Nikolas Cruz kaufte das Gewehr ganz legal

Er ist noch zu jung, um in Florida ein Bier zu kaufen. Doch Nikolas Cruz besaß ganz legal ein Sturmgewehr: Der 19-Jährige hat gestanden, an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland 17 Menschen getötet zu haben. Nach und nach werden weitere Einzelheiten über den Attentäter und den Hergang des Massakers bekannt. In den USA tobt derweil die nach solchen unfassbaren Taten übliche Diskussion über Waffengesetze.

Attentäter von Parkland mischte sich unter die fliehenden Schüler

Nikolas Cruz hat den Mord an 17 Menschen in der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida gestanden. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die am Donnerstag (Ortszeit) bekannt wurden. Der 19-Jährige war zuvor erstmals vor Gericht erschienen, vorgeführt in organgefarbener Häftlingskleidung sowie an Händen und Füßen gefesselt. Er hatte sich dort nicht zu den Vorwürfen geäußert. Im Verhör hatte er jedoch ausgesagt, mit einem Taxi des Dienstleisters Uber zur Schule gefahren zu sein. Dort habe er mit einem Schnellfeuergewehr des Typs AR-15 auf Schüler geschossen, die ihm im Gebäude und auf dem Gelände begegneten. Anschließend warf er Waffe und Ausrüstung weg, mischte sich unter die fliehenden Menschen und verließ das Gelände.

Auf einer Pressekonferenz sagte der zuständige Sheriff Scott Israel, Cruz sei anschließend zunächst in einen Walmart-Supermarkt gegangen, habe bei Subway ein Getränk gekauft und anschließend eine McDonald's-Filiale besucht. 40 Minuten nachdem er sie verlassen hatte, wurde er von einem Polizisten auf einem Bürgersteig festgenommen, ohne Widerstand zu leisten.

Ein Leben als kleiner Tyrann

Die Schülerin Tyra Hermans ist nach dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Tränen aufgelöst.
Tyra Hemans hat ihre beste Freundin bei dem Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School verloren.
© AM/Splash News

Dem Verbrechen des jungen Mannes aus dem Südwesten Floridas gingen Jahre voraus, in denen er sich selbst als Opfer fühlte - und das in mancher Hinsicht vielleicht auch war. Das Leben, so scheint es, hat ihn geradezu zu einem Paradebeispiel gemacht für junge Leute, die zu Tätern werden können. Und er wollte oder konnte sich nicht wehren.

Als Baby von einem Ehepaar in der Nähe von Parkland adoptiert, starb der Vater, als Cruz sechs Jahre alt war, an einem Herzinfarkt. Die Adoptivmutter soll fortan die einzige Person im Leben des Jungen gewesen sein, zu der er ein stabiles Vertrauensverhältnis aufgebaut hatte. Im Herbst vergangenen Jahres starb auch sie. Ohne jede Vorwarnung, an einer Lungenentzündung in Folge einer Grippe. Die Informationen über den jungen Mann, der zum Todesschützen wurde, tröpfeln nur langsam, die lokalen Medien in Florida holen sich vieles von Nachbarn und Freunden, wenig geben auch die Behörden preis. Eine Frau berichtete der Zeitung 'Sun Sentinel', bei Cruz sei schon  als Kind Autismus diagnostiziert worden. Die alleinerziehende Mutter habe es manchmal schwer mit ihm gehabt.

Die 'Washington Post' fand heraus, dass der junge Mann ein Leben als kleiner Tyrann geführt haben soll. Cruz habe seinen Hund abgerichtet, so dass er die Meerschweinchen der Nachbarn totbiss, mit dem Luftgewehr habe er Eichhörnchen und Hühner im Nachbarsgarten erlegt. Die Polizei sei ein ständiger Gast in dem schmucken Haus in der geschniegelten Siedlung mit kurzgeschnittenem Rasen und Palmen in den gepflegten Gärten gewesen. Die Nachbarn sagten der 'Washington Post', sie seien erleichtert gewesen, als die Familie ihr Haus verkaufte und auszog.

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Trump unterschrieb Gesetz, das psychisch Kranken den Erwerb einer Waffe wieder erlaubt

Polizisten untersuchen den Waffenladen, in dem Nikolas Cruz die Tatwaffe gekauft haben soll.
Im Moment geschlossen: In diesem Geschäft soll Nikolas Cruz die Tatwaffe ganz legal gekauft haben.
© AM/Splash News

Umso erschreckender, dass Cruz legal die Waffe kaufen konnte, mit der er eines der folgenschwersten Massaker an einer Schule in den USA anrichten konnte. Erst im vergangenen Jahr hatte US-Präsident Donald Trump ein Gesetz unterschrieben, das 75.000 psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Noch ist unklar, ob Cruz zu dieser Gruppe zählt. Dennoch ist nach dieser Tat ist in den USA die Diskussion über das Waffenrecht erneut entbrannt.

Tyra Hemans steht vor ihrer Schule und hält ein Plakat in den Händen. Darauf ein Bild ihres Lehrers - auch er ist unter den Opfern. "Er ist gestorben, um seine Kinder zu retten. Er wusste, nur wenn er das tuts sind sie okay. Er ist für uns gestorben", sagt sie unter Tränen. "Es ist eine Geschichte über Waffengewalt, an die wir uns alle gewöhnt haben, und das ist nicht in Ordnung", sagt ihr Mitschüler David Hogg.

Trump sagte, er plane, den Tatort zu besuchen. Man wolle sich des Themas psychischer Erkrankungen annehmen. Über Waffengesetzte sprach er nicht.