Amoklauf in Texas: Devin Kelley hatte es wahrscheinlich auf Familienmitglieder abgesehen

06. November 2017 - 21:18 Uhr

Ermittler vermuten familiäres Motiv bei dem Amokschützen

Was geht in solchen Menschen vor? Ein junger Mann stürmt während eines Gottesdienstes in eine Kirche in Texas und eröffnet das Feuer auf Gläubige. 26 Menschen sind tot; 20 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte der Gouverneur des US-Bundesstaates, Greg Abbott. Zehn davon sind noch immer in einem kritischen Zustand. Die Opfer sind zwischen 18 Monaten und 77 Jahre alt. Nun kristallisiert sich sein Motiv immer mehr heraus. Der Schütze hatte offenbar persönliche Beziehungen zu Mitgliedern der Kirchengemeinde.

Amokläufer Devin P. Kelley war wütend auf seine Schwiegermutter

Nach Berichten des Senders CNN und anderer US-Medien handelt es sich bei dem Schützen um den 26-jährigen Devin P. Kelley. Der örtliche Sheriff Joe Tackitt sagte, dass seine Ex-Frau sowie meherere angeheiratete Familienmitglieder der Gemeinde angehörten. Die Frau sei aber während der Tat nicht in der Kirche gewesen. Das genaue Motiv ist zwar noch unklar, bisher deutet jedoch alles auf ein Familiendrama hin. Man wisse, dass der 26-Jährige wütend auf seine Schwiegermutter gewesen sei, sagte Freeman Martin vom texanischen Ministerium für Öffentliche Sicherheit. "Ich glaube nicht, dass dies ein zufälliger Amoklauf war", sagte der texanische Gouverneur.

Devin P. Kelley wurde kurz nach dem Attentat tot in seinem Wagen gefunden. Er tötete sich nach bisherigem Stand der Ermittlungen selbst. Im Auto des Angreifers fand die Polizei mehrere Waffen. Nach Darstellung Abbotts handelte es sich um die schlimmste Tat eines einzelnen Schützen in der Geschichte des Bundesstaates.

Schütze war schon mehrmals gewalttätig

Das Blutbad in der kleinen Gemeinde Sutherland Springs, nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten und wenige Tage nach der jüngsten Terrorattacke in New York mit acht Todesopfern, löste neues Entsetzen aus.

Der Sender NBC News berichtete, der 26-jährige Amokläufer Devin P. Kelley habe im benachbarten Comal County gelebt. Eine Sprecherin der US-Luftwaffe sagte dem Sender, ein Militärgericht habe ihn 2012 wegen Angriffen auf seine Frau und ihr gemeinsames Kind verurteilt. Zwei Jahre später sei er aus der Luftwaffe entlassen worden.

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US-Präsident Donald Trump twittert sein Beileid

US-Präsident Donald Trump ist derzeit auf einer Auslandsreise in Japan. In einem Tweet drückte er sein Beileid aus. In dem Tweet heißt es: "Möge Gott bei den Menschen in Sutherland Springs, Texas, sein. Das FBI und Gesetzeshüter sind vor Ort. Ich verfolge die Situation von Japan aus."

Devin Kelley nach Amoklauf in Sutherland Springs tot in seinem Wagen gefunden

Nach Behördenangaben wurde der ganz in Schwarz gekleidete Devin Kelley gegen 11.20 Uhr (Ortszeit) zunächst an einer Tankstelle der Ortschaft gesehen. Er ging dann über die Straße zur Kirche und begann noch draußen mit einem Gewehr zu schießen. Nach Behördenangaben starben dabei zwei Menschen. Danach sei der mit einer schusssicheren Weste ausgestattete Schütze in das Gebäude gegangen und habe weitergefeuert.

Schließlich wurde der Täter von einem Einwohner gestellt, ließ seine Waffe fallen und flüchtete in seinen Wagen. Dort wurde er wenig später tot aufgefunden. Er soll sich selbst erschossen haben, nachdem er zuvor angeschossen worden war. Das berichtete der Sender CNN und berief sich dabei auf den örtlichen Sheriff Joe Tackitt. 23 Tote wurden in der Kirche gefunden, zwei vor dem Gotteshaus. Ein weiteres Opfer starb später im Krankenhaus, wie Freeman Martin von der texanischen Behörde für öffentliche Sicherheit sagte. Zu den Todesopfern zählt die 14-jährige Tochter des Pastors der Gemeinde, Annabelle Pomeroy. Das bestätigte der Geistliche selbst: Er und seine Frau hielten sich demnach zum Zeitpunkt der Tat nicht in Sutherland Springs auf.

Das letzte Massaker mit Schusswaffen in den USA liegt erst wenige Wochen zurück

Trauernde halten am 05.11.2017 in Sutherland Springs, Texas, USA, Kerzen. Ein junger Mann hat während eines Gottesdienstes in einer Kirche in Texas das Feuer auf Gläubige eröffnet und 26 Menschen getötet.
Trauernde nach dem Massaker in Texas.
© dpa, Nick Wagner, NRW hjb

Der kleine Ort Sutherland Springs liegt rund 50 Kilometer südöstlich von San Antonio und hat nur ein paarhundert Einwohner. Wie es hieß, kommen im Durchschnitt 50 Menschen zum sonntäglichen Gottesdienst. Die First Baptist Church sei das Zentrum der kleinen Gemeinde, sagten Einwohner US-Medien.

Erst vor gut einem Monat hatte ein Mann weltweites Entsetzen ausgelöst, als er in Las Vegas (Nevada) aus einem Hotelfenster auf Besucher eines Musikfestivals schoss und 58 Menschen tötete - mehr als 500 weitere wurden verletzt. Der Täter nahm sich das Leben. Es war der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA. Die Tat am Sonntag weckte auch Erinnerungen an ein Attentat in Charleston (South Carolina): Dort hatte ein 21-Jähriger im Sommer 2015 aus rassistischen Motiven in einer Kirche neun schwarze Gläubige erschossen. Er wurde später zum Tode verurteilt.