Zwei Monate nach der Amokfahrt am Rosenmontag

Volkmarsener Karnevalsprinzessin: "Wegen mir dürfte der hier auf Knien das Pflaster putzen mit der Zahnbürste"

24. April 2020 - 18:19 Uhr

Amokfahrer fuhr absichtlich in eine Menschenmenge

Zwei Monate ist es her, dass in Volkmarsen ein 29-Jähriger mit dem Auto absichtlich in einen Karnevalszug raste. Fast jeder in der hessischen Kleinstadt kennt jemanden, der bei dem Vorfall verletzt wurde. Eigentlich wäre es besonders jetzt wichtig, sich zu treffen, gemeinsam über das Erlebte zu reden und sich in den Arm zu nehmen, findet Karnevalsprinzessin Ilona Schmand. Wegen der Corona-Krise ist das aber nicht möglich. Wie die Stadt mit dem Trauma umgeht – in unserem Video.

Auto fährt in Karnevalsumzug
Der Täter raste in den Rosenmontagszug in Volkmarsen.
© dpa, Uwe Zucchi, cul

Fast jeder in Volkmarsen kennt jemanden, der betroffen ist

Schmand erlebte den Rosenmontag vom Karnevalswagen aus. Zuerst sah sie Blaulicht. "Im nächsten Moment hat dich eine Druckwelle erwischt: Schreien, Angst, Panik", erzählt sie im RTL-Interview. Man habe sofort gespürt, dass etwas passiert ist, was in Volkmarsen so noch nie passiert war.

Die Informationen drangen tröpfchenweise zu der Karnevalsprinzessin durch. Als klar war, dass jemand in eine Menschenmenge am Zugweg gerast war, galt ihr erster Gedanke ihren Freunden und Familienangehörigen. Über jeden einzelnen, der auf ihre besorgten Nachrichten antwortete und sagte, es gehe ihm gut, war sie unendlich erleichtert. Doch nicht von allen gab es gute Nachrichten. "Von meinem Neffen die Freundin ist angefahren worden und kämpft sich ins Leben zurück", erzählt Ilona Schmand.

Das wünscht die Karnevalsprinzessin dem Amokfahrer

Die Zahl der Betroffenen stieg zuletzt auf 154 – darunter auch viele Kinder. Der Verdächtige sitzt unter anderem wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Der Mann schweigt laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt weiterhin zu den Vorwürfen.

Die Karnevalsprinzessin wüsste genau, was sie mit dem Amokfahrer von Volkmarsen machen würde, wenn sie seien Strafe bestimmen dürfte: "Ich will, dass der diesen Schreck und diesen Wahnsinn und das, was die Menschen hier gefühlt haben, ich will, dass der das jede Nacht spürt", sagt sie. Ihretwegen könne er mit einer Zahnbürste auf Knien das Pflaster in Volkmarsen schrubben. Bis alle die Bilder des letzten Rosenmontagszugs verarbeitet haben und wieder unbeschwert Karneval feiern können, wird es wohl noch eine Weile dauern.