Amokfahrer von Münster – Das wissen wir über den Täter Jens R. (48)

8. April 2018 - 16:31 Uhr

Wer war Jens R.?

Nachdem am Samstag ein Campingbus mitten in die Wochenendidylle in Münster raste, gab es zunächst Spekulationen über den Täter und sein mögliches Motiv. Inzwischen hat die Polizei einige Informationen über den mutmaßlichen Amokfahrer bestätigt. Die Frage ist: Wer war Jens R. und warum riss er andere Menschen mit in den Tod?

Todesfahrer von Münster handelte in Suizidabsicht

08.04.2018. Amokfahrt in Münsters Innenstadt. Täter Jens R. auf einem Archivbild der Westfälischen Nachrichten vom 27. Oktober 1998
Dieses Bild soll den mutmaßlichen Amokfahrer von Münster zeigen. (Quelle: Westfälische Nachrichten)
© WN-Archiv 1998
  • Der 48-jährige Deutsche stammt ursprünglich aus Olsberg im Sauerland. Er wuchs in Brilon auf und lebte schon länger als Industriedesigner in Münster.
  • Er hatte insgesamt vier Wohnungen in Deutschland: zwei in Münster und zwei in Ostdeutschland.
  • Die Polizei hat alle Wohnungen des Mannes durchsucht und hat mehrere Kanister Benzin und Biogas sowie ein über einen Balken gelegtes Hanfseil mit Henkersknoten gefunden.
  • Außerdem hatte Jens R. ein gut gefülltes Bankkonto.
  • Der mutmaßliche Amokfahrer war der Polizei bereits wegen mehrerer kleiner Delikte bekannt. 2015 und 2016 gab es drei kleinere Verfahren gegen ihn, die jedoch eingestellt wurden. Der Grund: es gab "keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität", so die Leitende Oberstaatsanwältin Elke Adomeit.

Jens R. handelte als Einzeltäter

Die Polizei geht davon aus, dass Jens R. als Einzeltäter handelte. Gerüchte, dass zwei weitere Männer aus dem Bus gesprungen seien, bestätigten sich nicht. Auch der Kleinbus, den er in die Menschenmenge steuerte, war auf Jens R. zugelassen. Bei der Amokfahrt tötete er zwei Menschen, verletzte 20 weitere und erschoss sich anschließend selbst.

Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte. Dafür spreche auch die Tatsache, dass sich der Mann unmittelbar nach dem Stillstand des Fahrzeugs erschossen hat.

Was war das Motiv des Täters?

Nach den Wohnungsdurchsuchungen steht für die Ermittler fest: Jens R. wollte sich nach der Todesfahrt direkt selber richten. Spekulationen, wonach der 48-Jährige der rechten Szene angehören sollte, bestätigten sich nicht. Hajo Kuhlisch, Polizeipräsident von Münster sagte: "Die erste, doch schon etwas intensivere Durchsicht hat keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben." Was die Beamten in einer der Wohnungen in Münster fanden, klingt dennoch besorgniserregend. Jens R. bewahrte eine unbrauchbar gemachte Maschinenpistole und mehrere sogenannte Polenböller auf. Auch im Tatfahrzeug befanden sich neben der Waffe, mit der sich der Täter erschoss, mehrere Feuerwerkskörper und eine Schreckschusswaffe.

Amokfahrer soll Suizid-Gedanken geäußert haben

Der Amokfahrer ist nach Angaben der Polizei bereits letzten Monat mit suizidalen Gedanken aufgefallen. Der 48-Jährige habe sich Ende März mit einer E-Mail unter anderem an einen Nachbarn gewandt. Darin soll er einschneidende Ereignisse in seinem Leben aufgearbeitet haben. "Aus dem Inhalt ergaben sich vage Hinweise auf suizidale Gedanken, aber keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen." WDR, NDR und 'Süddeutsche Zeitung' berichteten zudem über ein weiteres 18-seitiges Schreiben, in dem der spätere Amokfahrer demütigende Erfahrungen und Kindheitserlebnisse verarbeite. Die Polizei bestätigte den Fund des Schreibens nicht.

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