Er war am Morgen der Tat noch bei einer Nachbarin

Amok-Fahrt von Trier: Was wir über den mutmaßlichen Täter Bernd W. wissen

05. Dezember 2020 - 11:16 Uhr

Mehrere Tote in Trier: Auto rast durch Innenstadt

Ein Autofahrer ist am Dienstagmittag in die Trierer Fußgängerzone gefahren. Bei der mutmaßlichen Amokfahrt starben mehrere Menschen. Der Fahrer, ein 51-jähriger Deutscher, sei festgenommen worden, teilte die Polizei am Dienstag auf Twitter mit. Der Wagen sei sichergestellt worden. Ein Video, das unsere Redaktion erhalten hat, soll die Festnahme des mutmaßlichen Amok-Fahrers Bernd W. aus Trier-Saarburg zeigen. Mittlerweile werden immer mehr Details über den 51-Jährigen bekannt. Am Morgen der Tat sprach er noch mit einer Nachbarin – seine Worte: "Es knallt". Was die Frau über ihn sagt, zeigen wir im Video.

51-Jähriger wehrte sich bei seiner Festnahme erheblich

Sein Tatmotiv sei noch unklar, erklärten die Ermittler. Bernd W. aus dem Kreis Trier-Saarburg sei "vier Minuten nach Ersthinweis" festgenommen worden. Das sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstagabend vor Ort.

Ein Polizeisprecher ergänzte, der Fahrer sei "durch Kräfte des Polizeipräsidiums angehalten und überwältigt worden". Bei der Festnahme leistete der Beschuldigte demnach erheblichen Widerstand. Die Behörde ermittelt gegen den Mann unter anderem wegen vierfachen Mordes.

Bernd W. war zur Tatzeit betrunken - 1,4 Promille

"Der Tatverdächtige ist in der Vergangenheit noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten", teilte die Polizei am Dienstagabend mit. Den Behörden liegen keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund vor. Bernd W. ist demnach auch nicht als Gefährder eingestuft. Er war allerdings bei der Tat betrunken – bei ihm wurde ein Wert von 1,4 Promille festgestellt. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll er ein massives Alkoholproblem gehabt haben.

Was dem Totraser von Trier bei einer Verurteilung drohen könnte, lesen Sie hier.

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Bernd W. heißt der mutmaßliche Amokfahrer von Trier
© Privat

Vernehmungen von Bernd W. laufen - bislang kein Bekennerschreiben gefunden

Bisher ist nach Angaben von Roger Lewentz (SPD) kein Bekennerschreiben gefunden worden. Bei der Aufklärung komme es nun auf die Vernehmungen und die Bereitschaft des Tatverdächtigen an, seine Motive offenzulegen, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Deutschlandfunk. Vielleicht mache der 51-Jährige Angaben. "Wir hoffen es."

Derzeit gingen die Ermittler davon aus, dass der Amokfahrer ohne jeglichen organisierten Hintergrund gehandelt habe. Es gebe auch weiter keine Hinweise auf ein politisches Motiv. "Auch da muss man abwarten, was die weiteren Vernehmungen ergeben", sagte Lewentz. Bernd W. soll am Mittwoch vor einen Haftrichter kommen.

Mutmaßlicher Amok-Fahrer von Trier: Untersuchungshaft oder psychiatrisches Krankenhaus?

Der Mann am Steuer des Autos könnte psychisch krank sein. Es gebe Anhaltspunkte für ein psychiatrisches Krankheitsbild, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am Dienstag in Trier. Ein Arzt habe Bernd W. begutachtet, es werde vermutlich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Bernd W. soll immer wieder arbeitslos gewesen sein

Nach dem Tod seiner Eltern verkaufte Bernd W. dem "Focus" zufolge sein Elternhaus und lebte überwiegend von dem dabei erlösten Geld, das jedoch nach etwa einem Jahr aufgebraucht gewesen sei. Immer wieder wechselte er den Wohnsitz, arbeitete gelegentlich als Elektriker. Zuletzt war er offenbar arbeitslos. Der Kontakt zu seiner Familie riss offenbar ab.

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Der Tat-Wagen – mit dem der Fahrer durch die Fußgängerzone gerast ist – weist mehrere Schäden auf, die offenbar durch den starken Aufprall verursacht worden sind.

Der 51-Jährige ist nicht der Halter des Wagens. Das Auto sei dem Täter überlassen worden, sagte Franz-Dieter Ankner, Polizeivizepräsident von Trier am Dienstag. Eine verwandtschaftliche Beziehung gebe es nicht, bei der Person handle es sich offenbar um einen Bekannten von Bernd W. Er soll sich den Wagen vor der Tat ausgeliehen und bereits seit längerem in dem Auto gelebt haben.