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Amok-Alarm in Memmingen: Junge in Psychiatrie eingeliefert

Amok-Alarm in Memmingen: Junge in Psychiatrie eingeliefert

Motiv bleibt weiter unklar

Es hätte eine Katastrophe werden können, doch der Amok-Alarm in Memmingen ging ohne Blutvergießen zu Ende. Nachdem ein Achtklässler erst in einer Schule und später auf einem Sportplatz ungezielt um sich geschossen hatte, ergab er sich einem Spezial-Einsatzkommando der Polizei. Der Junge wurde mittlerweile in die Psychiatrie eingewiesen. Die Waffen hatte der 14-Jährige von seinem Vater entwendet, der diese vorschriftsgemäß lagerte.

Amok-Alarm: 14-Jähriger schoss mit Papas Waffen
Der Vater des 14-Jährigen, der am Dienstag in einer Memminger Schule um sich geschossen hat, ist Sportschütze. Von ihm hatte der Schüler die Waffen.
dpa, Tobias Kleinschmidt

Die Staatsanwaltschaft vermutet ein persönliches Motiv für die Tat. Vor dem Haftrichter habe sich der 14-Jährige allerdings nicht geäußert. Die Freundin des Jugendlichen soll sich kurz vorher von ihm getrennt haben. Hinweise auf eine Schuld des Vaters gibt es bislang nicht. Die Polizei habe die Sicherheit des Waffentresors im Januar 2010 überprüft, bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen einen Bericht der 'Augsburger Allgemeinen'. Ermittler vermuten, dass der Jugendliche die elektronische Sicherung des Waffentresors manipulierte und so in den Raum eindringen konnte.

Ermittelt wird wegen Waffendelikten, Nötigung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Für den Versuch von Körperverletzung oder gar Totschlag gebe es noch zu wenig Anhaltspunkte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hier müssten die Aussagen der Schüler, Lehrer und Beamte abgewartet werden. Experten wollten zudem die Munition und die Einschüsse untersuchen. Zu Gerüchten, wonach der Schüler einen Lehrer mit einer Waffe bedroht habe, wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Grüne wollen Waffen zu Hause nach Amok-Alarm verbieten

Schulrektor Franz Michael Schneider beschrieb den Jugendlichen als unauffällig. "Er war auf keinen Fall ein Außenseiter." Auch der Kontakt zur Mutter sei immer sehr gut gewesen. Schneider hatte direkt bei ihr angerufen, um sie von den Ereignissen zu informieren. Sie sei sehr besorgt gewesen und sofort in die Schule gekommen, habe ihren Sohn aber auf dem Handy nicht erreichen können.

Unterdessen geriet das deutsche Waffenrecht erneut in die Kritik. Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sagte: "Weil wir es in Deutschland erlauben, dass Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie gekommen." Der Vorfall zeige erneut "auf eklatante Weise, wie fahrlässig das deutsche Waffenrecht mit der Sicherheit der Menschen umgeht". Roth verwies auf eine Übermacht der "Waffenlobby in Deutschland", die einen effektiven Schutz verhindere. "Die tödlichen Knarren müssen endlich raus aus den Privatwohnungen, weil sie ein echtes Sicherheitsrisiko sind."

Dem widersprach der Deutsche Schützenbund (DSB) mit Verweis auf noch größere Gefahren: "Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen", sagte Vizepräsident Jürgen Kohlheim. Auch eine Verschärfung des Waffenrechts lehnte er ab: "Ich glaube nicht, dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können."