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Amnesty International: Weniger 'Henkerstaaten', mehr Hinrichtungen

Amnesty International: Weniger 'Henkerstaaten', mehr Hinrichtungen

Hinrichtungen weltweit Amnesty International
In China werden jährlich Tausende von Menschen hingerichtet.
picture-alliance / dpa, epa afp

Iran vollstreckt Todesurteile an Kindern

An der Todesstrafe halten nach Angaben von Amnesty International weltweit immer weniger Länder fest. Allerdings werden in diesen Staaten immer mehr Menschen hingerichtet. Vor allem im Nahen Ostens sei die Zahl der vollstreckten Todesurteile im vergangenen Jahr deutlich gestiegen – und zwar um 50 Prozent, teilte Amnesty International mit.

Der Anstieg gehe im Wesentlichen auf das Konto der Staaten Iran, Irak und Saudi-Arabien. Insgesamt seien 2011 in 20 Ländern mindestens 676 Menschen hingerichtet worden – vergiftet, enthauptet, erhängt oder erschossen. Ein Jahr zuvor zählten die Menschenrechtler noch 527 Hinrichtungen in 23 Ländern - China jeweils ausgenommen.

Amnesty veröffentlicht von dort seit 2009 keine Zahlen mehr, weil China die Angaben als Staatsgeheimnis sieht. Die Volksrepublik ließ höchstwahrscheinlich wieder mehr Menschen exekutieren als der gesamte Rest der Welt. Experten schätzen, dass es dort pro Jahr noch etwa 4.000 Hinrichtungen gibt.

Auf Platz zwei der diesjährigen 'Henkerstaaten'-Liste liegt der Iran, wo mindestens 360 Menschen gehenkt wurden - auch wegen Ehebruchs, Homosexualität und Abfalls vom islamischen Glauben. Es folgen Saudi-Arabien (82 Hinrichtungen), der Irak (68), die USA (43), der Jemen (41) und Nordkorea (30). Amnesty habe zudem glaubwürdige Informationen über eine große Zahl heimlicher Hinrichtungen im Iran. Dort würden - wie auch in Saudi-Arabien - Todesurteile auch an Minderjährigen vollstreckt.

Auch 2011 seien Todesstrafen oft nach grob unfairen Verfahren verhängt worden, die nicht internationalen Standards entsprächen. In einigen Staaten wie Weißrussland, China, Iran, Irak und Nordkoreaergingen Urteile aufgrund von unter Folter erzwungenen Aussagen.

Weißrussland – der letzte Henker in Europa

Der Trend zu mehr Hinrichtungen im Nahen Osten sei umso erschreckender, als dass die Todesstrafe weltweit auf dem Rückzug sei, erklärte Oliver Hendrich von Amnesty International. "In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Länder, die die Todesstrafe vollstrecken, von 31 auf 20 geschrumpft – ein deutlicher und vor allem erfreulicher Trend."

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass auf deutschem Boden das letzte Todesurteil vollstreckt wurde. Im Juni 1981 ließ die DDR den Stasi-Hauptmann Werner Teske wegen 'Hochverrats' exekutieren, durch einen Schuss ins Genick. Die Bundesrepublik hatte die Todesstrafe sogar schon 1949 abgeschafft.

Weißrussland ist in Europa das letzte Land, das noch hinrichten lässt. Nach einer Schätzung von Amnesty International wurden dort seit dem Ende der Sowjetunion bis zu 400 Menschen exekutiert. Diktator Alexander Lukaschenko gab in all den Jahren nur ein einziges Mal einem Gnadengesuch statt.

Von den 193 Mitgliedsländern der Vereinten Nationen ließen im vergangenen Jahr nur noch 20 Todesurteile vollstrecken. Abgeschafft ist die Todesstrafe nach der Amnesty-Statistik inzwischen in 141 Staaten. Anderswo werden zwar noch Todesurteile verhängt, aber nicht mehr ausgeführt. "Die weltweite Entwicklung hin zu einer Welt ohne Todesstrafe ist sehr ermutigend", freut sich der Generalsekretär der deutschen Amnesty-Sektion, Wolfgang Grenz.

Im vergangenen Jahr verzichteten zum Beispiel Japan und Singapur zum ersten Mal seit langer Zeit auf jede Exekution. In Afrika erließ Nigeria als bevölkerungsreichstes Land einen offiziellen Hinrichtungsstopp. In den USA schaffte Illinois als 16. Bundesstaat die Todesstrafe ab.