Amnesty International: IS begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Frauen

19. November 2015 - 12:10 Uhr

"Die Leben Hunderter jesidischer Frauen liegen in Scherben"

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) verübt in ihrem Herrschaftsbereich nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen gegen Mädchen und Frauen. Hunderte oder sogar Tausende Frauen und Mädchen der jesidischen Minderheit im Irak seien Opfer schlimmster sexueller Gewalt geworden.

Amnesty International: IS begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Frauen.
Nach einem Bericht von Amnesty International haben jesidische Frauen und Mädchen im Nordirak besonders unter dem Islamischen Staat gelitten.
© REUTERS, STRINGER

"Die Frauen wurden verkauft, als Geschenke übergeben, zwangsverheiratet, gefoltert und vergewaltigt", heißt es in dem Bericht unter dem Titel 'Der Hölle entkommen'. Darin enthalten sind 40 Interviews mit weiblichen Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden, die unter den Taten von IS-Kämpfern und deren Gefolge zu leiden hatten oder Zeuginnen davon geworden waren. "Die Leben Hunderter jesidischer Frauen liegen in Scherben."

"Viele von denen, die als Sexsklavinnen gehalten wurden, sind Kinder", erklärte Amnesty. Einige seien nicht älter als zehn oder zwölf Jahre. Vergewaltigungen würden als Mittel des Krieges benutzt. Einige der Frauen und Mädchen, die sich über Monate in IS-Gefangenschaft befunden hätten, seien so verzweifelt gewesen, dass sie Selbstmord begangen hätten.

Über 1.000 IS-Kämpfer bei Luftangriffen getötet

Wie es in dem Bericht weiter heißt, waren die meisten Täter Iraker oder Syrer. Viele davon gehörten dem IS an, anderen gehörten zu deren Gefolge. Einige der befragten Jesidinnen hätten bei den Familien ihrer Peiniger, also mit deren Frauen und Kindern, gelebt. Die 16-jährige Randa gab an, an einen Mann weitergegeben worden zu sein, der doppelt so alt war. Dieser habe sie vergewaltigt. "Der IS hat unser Leben ruiniert (...) Was wird aus meiner Familie? Ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehen werde."

"Der körperliche und psychische Preis der furchtbaren sexuellen Gewalt, die die Opfer aushalten mussten, ist katastrophal", sagte Donatella Rovera von Amnesty International. Sie forderte die kurdische Regionalregierung dazu auf, ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Lage deutlich zu erhöhen.

Unterdessen geht der Kampf gegen den IS unvermindert weiter. Laut einer oppositionellen Gruppe sind in den vergangenen drei Monaten allein Syrien durch Angriffe der US-Luftwaffe 1.171 Menschen getötet worden. Bei den meisten handele es sich um IS-Milizionäre, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Nur 52 der Opfer seien Zivilisten gewesen, so der Chef der Organisation, Rami Abdulrahman.