Amnesty: Der Verbleib vieler Gefangener ist nach Putschversuch in der Türkei unklar

03. August 2016 - 19:36 Uhr

"Die Festgenommenen müssen mit ihren Familien kommunizieren können und Zugang zu ihren Anwälten haben"

Nach dem Putschversuch in der Türkei gibt es beinahe jeden Tagen immer wieder neue Meldungen aus Ankara. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International jetzt vermeldet, ist der Verbleib vieler Gefangener seit über zwei Wochen wohl immer noch unklar.

Amnesty bestätigt: Verbleib vieler Gefangener unklar
Türkische Festgenommene in Polizeigewahrsam
© dpa, Sedat Suna

Im Rahmen einer "Säuberungswelle" im Militär, bei der Polizei, in den Medien, der Justiz und dem Bildungsbereich hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bislang mehr als 58.600 Staatsbedienstete suspendiert. Über die hohe Zahl an Festnahmen zeigen sich EU und Bundesregierung zutiefst besorgt.

Auch wenn die Türkei in der Flüchtlingskrise ein wichtiger EU-Partner ist, das harsche Vorgehen Erdogans nach dem Putschversuch belastet das Verhältnis sehr. Inzwischen verstärkt auch die Bundeswehr die Sicherheitsvorkehrungen für die auf dem Stützpunkt Incirlik stationierten deutschen Soldaten. Die tausendfachen Entlassungen haben dazu geführt, dass nicht nur die Zusammenarbeit zwischen EU und Türkei schwieriger wird, sondern auch für die deutschen Bundeswehrsoldaten im Süden des Landes wichtige Ansprechpartner fehlen.

Viele der Festgenommenen seien aus Kapazitätsgründen überall im Land in Sporthallen oder sogar Reitställen unter teils unwürdigen Verhältnissen untergebracht, berichtete der Amnesty-Experte Andrew Gardner. "Die Festgenommenen müssen mit ihren Familien kommunizieren können und Zugang zu ihren Anwälten haben", forderte er. Eine zugängliche Liste, aus der hervorgehe, wo wer untergebracht ist, gebe es laut seinen Informationen jedoch nicht.

Amnesty hatte zuletzt auf mögliche Folter in Polizeigewahrsam hingewiesen, die die türkische Regierung jedoch bislang abstreitet. Erdogan selbst hatte am Dienstag verlauten lassen, dass Soldaten möglicherweise "während der Tumulte Tritte und Schläge abbekommen haben." Wo und wie der Großteil der mutmaßlichen Rädelsführer und viele andere Festgenommene letztendlich untergebracht sind, bleibt wohl vorerst noch unklar.