4. Juli 2013 - 18:06 Uhr

NSA: Überwachung vereitelte 50 Anschläge in 20 Ländern

Der G8-Gipfel in Nordirland wurde überschattet vom Abhörskandal durch US- und britische Geheimdienste im Jahr 2009. Die Vorwürfe gehen auf Informationen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zurück. Und nicht nur das: Der nach Hongkong geflüchtete Ex-NSA-Mitarbeiter kündigte inzwischen neue Enthüllungen an.

Edward Snowden will noch mehr auspacken
Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden kündigt weitere Enthüllungen an.
© REUTERS, HANDOUT

Der britische Abhördienst GCHQ habe vor vier Jahren in großem Stil Informationen zu Passwörtern, E-Mails und Telefongesprächen abgeschöpft, berichtete die Zeitung 'Guardian'. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte, dass sie die Überwachung durch amerikanische Geheimdienste beim Berlin-Besuch von US-Präsident Barak Obama am Mittwoch zur Sprache bringen werde.

Amerikanische Geheimdienst-Analysten könnten Zugang zu Informationen bekommen, egal wonach sie suchen, erklärte Snowden im Internet. "Telefonnummer, E-Mail, Benutzername, Handy-Identifikationsnummer - es macht keinen Unterschied." Die Einschränkungen seien nicht technischer, sondern politischer Natur. Kontrollen seien sehr lückenhaft. Snowden kündigte weitere konkrete Details an. Der 29-jährige Ex-Geheimdienstler, der den Skandal ins Rollen gebracht hatte, beantwortete im Internetchat vom'Guardian' Fragen von Internet-Nutzern.

Snowden wies den Verdacht zurück, er sei nach Hongkong geflohen, weil er mit chinesischen Behörden zusammenarbeite. "Nein. Ich habe keinen Kontakt mit der chinesischen Regierung gehabt." Wäre er ein chinesischer Agent gewesen, hätte er sich nach Peking abgesetzt.

Unterdessen teilte der US-Geheimdienst NSA mit, durch die weitläufige Überwachung rund 50 Terror-Anschläge in 20 Ländern vereitelt zu haben. Mindestens zehn Vorhaben seien in den USA abgewehrt worden, darunter einer auf die New Yorker Börse NYSE, erklärte NSA-Chef Keith Alexandervor dem Geheimdienst-Ausschuss des Repräsentantenhauses in Washington. Obama versicherte kurz davor in einem Fernsehinterview, es gebe dabei ausreichende Kontrollmechanismen. Bei der NSA arbeiteten "außergewöhnliche Profis, die sich der Sicherheit des amerikanischen Volkes verschrieben haben", erklärte der US-Präsident.

Obama: "Für Sicherheit muss man Kompromisse eingehen"

Unterdessen dringen weitere Informationen über das Ausmaß der Überwachung durch amerikanische Geheimdienste an die Öffentlichkeit. So berichtete das 'Wall Street Journal', der Abhördienst NSA sei befugt, Informationen über den Aufenthaltsort von Anrufern zu sammeln. Allerdings verzichte die NSA darauf, weil es einen zu großen Aufwand bedeuten würde, hieß es unter Berufung auf Beamte.

"Mein Job ist es, das amerikanische Volk zu schützen sowie die amerikanische Art zu leben, die unsere Privatsphäre einschließt", sagte Obama in einem Fernsehinterview mit dem Journalisten Charlie Rose. Sein Anliegen sei stets gewesen, genügend Kontrolle über die Geheimdienste zu haben. Die NSA-Programme würden aber von einem unabhängigen Gericht beaufsichtigt. Für Sicherheit müsse man Kompromisse eingehen, erklärte Obama. Zum Beispiel gebe es jetzt an Flughäfen strengere Sicherheitskontrollen als früher. Man müsse aber nicht die Freiheit opfern, um sicher zu sein. "Ich denke nicht, dass jemand sagt, wir sind nicht mehr frei, weil wir Kontrollpunkte an Flughäfen haben."

Nach Facebook und Microsoft veröffentlichte auch Apple Zahlen zu Anfragen der US-Behörden zu Nutzer-Daten. Demnach erhielt der iPhone-Konzern in den sechs Monaten von Dezember 2012 bis Ende Mai dieses Jahres zwischen 4.000 und 5.000 solcher Anträge. Davon seien 9.000 bis 10.000 Kundenkonten mit Apple-Geräten betroffen gewesen. Bei dem Großteil der Behördenanfragen gehe es um Polizeiarbeit, wenn etwa nach verschwundenen Kindern gesucht werde oder es darum gehe, einen Selbstmordversuch zu verhindern.