Ambulante Pflege in der Corona-Krise

Altenpflegerin: "Die Menschen haben schon Angst"

26. März 2020 - 23:04 Uhr

Pflegedienst arbeitet am Limit

Rund 3,4 Millionen Menschen sind in Deutschland jeden Tag auf den Besuch vom Pflegedienst angewiesen. Viele von ihnen werden der Corona-Risikogruppe zugeordnet. Doch gerade bei der Pflege ist Nähe unumgänglich. Deshalb fordern Pflegedienste eine bessere Versorgung mit Schutzkleidung und Desinfektionsmittel. Das ist momentan kaum möglich, weil es überall an Schutzausrüstung fehlt. Wir haben Altenpflegerin Oxana Rogalski begleitet. Wie sie sich schützt, erzählt sie im Video.

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Ältere Menschen haben Angst vor dem Coronavirus

Sicherheitsabstand? Bei ihrem Job ist das nicht möglich. Oxana ist Altenpflegerin. Waschen, anziehen und füttern gehört zu ihrem Beruf. Zehn Pflegebedürftige betreut die 44-Jährige täglich. Ihre Arbeit sei durch die Coronakrise viel schwieriger geworden, erzählt sie. "Die Menschen haben schon Angst", so Oxana, "unsere Aufgabe ist es, sie aufzuklären, dass sie auf Hygiene achten, nicht unnötig rausgehen." Eine ihrer Patientinnen wurde erst kürzlich aus Angst vor dem Coronavirus aus dem Seniorenheim geholt. Oxana kümmert sich nun ambulant um die pflegebedürftige Frau.

"Es fehlt an allen Ecken und Enden an geeigneter Schutzausrüstung"

Seit der Erreger Sars-CoV-2 in Deutschland aufgetreten ist, fürchten sich auch die Pfleger um ihre Gesundheit. Oft fehlt es am nötigsten. Erst am Donnerstag hat die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein auf den "dramatischen Notstand" hingewiesen. "Es fehlt an allen Ecken und Enden an geeigneter Schutzausrüstung wie Mundschutz, Einmalhandschuhen und Desinfektionsmitteln, um sich selbst, aber auch die besonders gefährdeten älteren Menschen in der ambulanten und stationären Langzeitpflege vor einer Infektion zu schützen", hieß es einer Pressemitteilung vom Donnerstag.

Auch die Wohlfahrtsverbände des Landes wiesen in einer gemeinsamen Stellungnahme auf die "Notlage bei Schutzausrüstung und Atemmasken" hin. "In zahlreichen stationären Einrichtungen der Altenpflege sowie Jugend- und Behindertenhilfe in Schleswig-Holstein sind die Reserven an Schutzmasken und -bekleidung nahezu aufgebraucht", hieß es. Deutschlandweit sieht es nicht besser aus.

"Die derzeitige Situation ist absolut paradox"

"Die derzeitige Situation ist absolut paradox", sagte Pflegeberufekammer-Präsidentin Patricia Drube. "Alles bereitet sich auf die Versorgung von Intensivpatienten vor. Gleichzeitig können die Schutzmaßnahmen, die dazu beitragen, dass besonders gefährdete Menschen gar nicht erst zu Intensivpatienten werden, nicht gewährleistet werden."

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfehle, bei der Versorgung vulnerabler Patientengruppen im Rahmen einer Pandemie sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch das medizinische Personal aus Aspekten des Patientenschutzes angezeigt. "Dieser Schutz ist derzeit nicht gewährleistet, wie viele verzweifelte Mails und Anrufe von Pflegediensten und -einrichtungen bei der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein belegen", sagte Drube. "Das zur Verfügung stehende Schutzmaterial - insbesondere Schutzmasken und Desinfektionsmittel - muss jetzt dorthin, wo die gefährdeten Patientengruppen versorgt werden", fordert Drube.

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