„Die schmerzlichste und schwierigste Sache, die ich je durchgemacht habe“

Erster Auftritt im Zeugenstand: Amber Heard sagt endlich aus

dpatopbilder - 02.05.2022, USA, Fairfax: Amber Heard, Schauspielerin aus den USA, hört im Gerichtssaal des Fairfax County Circuit Courts zu. Schauspieler Depp wirft seiner Ex-Frau Heard vor, in einem 2018 von der «Washington Post» veröffentlichten Ko
Jetzt ist Amber Heard an der Reihe.
SH sj, dpa, Steve Helber

Nach gut einem Dutzend Prozesstagen an einem Gericht in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia hatte das Team um Johnny Depp (58) am Dienstag (3. Mai) seine Beweisführung abgeschlossen. Rund zwei Dutzend Zeugen waren zu Wort gekommen. Einen Tag später hat jetzt erstmals seine Ex-Frau Amber Heard (36) ihren großen Auftritt im Zeugenstand.

„Die schmerzlichste und schwierigste Sache, die ich je durchgemacht habe“

„Ich bin hier, weil mein Ex-Ehemann mich verklagt hat“, beginnt Amber Heard ihre Aussage. Es sei „schrecklich“ für sie, hier über Wochen hinweg „alles wieder zu erleben“ und über ihr Leben mit Depp zu sprechen. „Dies ist die schmerzlichste und schwierigste Sache, die ich je durchgemacht habe“, so die Schauspielerin über den Prozess. Während die 36-Jährige spricht, würdigt ihr Ex-Mann, der ebenfalls im Gerichtssaal anwesend ist, sie keines Blickes. Kein Wunder, schließlich führen die zwei schon seit Jahren einen öffentlichen Rosenkrieg. Er kritzelt stattdessen irgendetwas auf einen Zettel vor sich.

Kurz zuvor hatte Psychologin Dawn Hughes ausgesagt, sie glaube, dass Amber aufgrund des angeblich körperlichen und sexuellen Missbrauchs durch Depp an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide.

Amber Heard spricht im Zeugenstand über das erste Treffen mit Johnny Depp

Im Rahmen von Depps Film „The Rum Diary“ sei es in den späten 2000er Jahren zu einer ersten Begegnung gekommen. Was Amber Heard zunächst für ein Vorsprechen gehalten habe, sei plötzlich intensiv geworden. Sie hätten sich auf Anhieb gut verstanden: „Wir sprachen über Bücher und Musik, Poesie. Wir mögen eine Menge der gleichen Dinge. Obskure Autoren und interessante Bücher und Gedichte, von denen ich noch nie gehört habe, dass jemand anderes sie kennt oder erwähnt oder mag.“ Sie habe ihn als „sehr belesen und charismatisch“ wahrgenommen. Sie habe gewusst, wer er war – sei aber kein Fan gewesen oder ähnliches: „Es war seltsam, denn er ist doppelt so alt wie ich und ein berühmter Schauspieler, und wir unterhalten uns über alte Bücher und den Blues. Ich fand das ungewöhnlich und bemerkenswert. Ich verließ den Raum mit dem Gefühl ‘Wow’.“

Darum geht es im Depp-Heard-Prozess

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Amber Heard hatte 2016 nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung von Depp eingereicht. Sie warf dem einstigen „Fluch der Karibik“-Star häusliche Gewalt vor. Depp erklärte im Zeugenstand unter Eid, sie niemals geschlagen zu haben.

In seiner Zivilklage hält er seiner Ex-Frau vor, in einem 2018 von der „Washington Post“ veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies habe seinem Ruf geschadet. Depp wird in dem Artikel nicht namentlich erwähnt. Wegen Verleumdung klagt er auf rund 50 Millionen Dollar (gut 45 Millionen Euro) Schadensersatz, Heard hat eine Gegenklage eingereicht. Der am 12. April begonnene Prozess soll mehrere Wochen dauern. dpa/reuters (dga)