Amazon verdoppelt seinen Mindeststundenlohn in den USA und alle rasten aus

04. Oktober 2018 - 10:38 Uhr

Von 7,25 auf 15 Dollar pro Stunde

Hunderte Menschen stehen in einer Halle und lauschen einer Rede. Plötzlich schreien alle laut los, jubeln und fallen sich in die Arme. Nein, hier wurde keine Wahl gewonnen – Internet-Riese Amazon verkündet lediglich seinen Mitarbeitern, dass ihr Mindestlohn ab dem 1. November auf 15 US-Dollar (12,94 Euro) pro Stunde steigen wird - für ALLE: Vollzeit-, Teilzeit und Saisonmitarbeiter. Und das bei einem Konzern, der sonst für seine schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert wird.

Amazon will mit gutem Beispiel vorangehen

"Wir haben auf unsere Kritiker gehört, lange darüber nachgedacht, was wir tun wollen, und dann entschieden, dass wir vorangehen wollen", sagte Amazon-Gründer und Chef Jeff Bezos zur Erhöhung. "Wir sind sehr glücklich über diese Veränderung und wollen unsere Konkurrenten und andere große Unternehmen ermutigen, denselben Weg zu gehen." Vor der Erhöhung gab es keinen einheitlichen Mindestlohn für Amazon-Mitarbeiter. Das Unternehmen musste sich lediglich an den für die USA landesweit festgelegten Mindestlohn von 7,25 Dollar (knapp 6 Euro) halten. Deshalb ist die Erhöhung ein großer und lobenswerter Schritt des Unternehmens.

Hier können Sie die Euphorie der Mitarbeiter selbst sehen:

Amazon-Gründer Jeff Bezos erntet Kritik

Auch Amazon selbst feiert sich für die Aktion und will jetzt auch dafür kämpfen, dass der landesweite Mindestlohn ebenfalls angehoben wird und damit alle Mindestlohn-Angestellten eine Lohnerhöhung bekommen. Über die Hälfte der US-Bundestaaten hat allerdings bereits einen individuellen, meist höheren Mindestlohn festgelegt.

Trotzdem muss der Konzern sich einige Kritik in den sozialen Netzwerken anhören. "Jeder, der den steuervermeidenden, reichsten Mann der Moderne, Jeff Bezos, jetzt lobt, sollte sich das noch mal ganz genau überlegen." schreibt ein Twitter-Nutzer. Das Vermögen des Amazon-Gründers und reichsten Mannes der Welt wird auf 166,3 Milliarden Dollar geschätzt.

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Neuer Mindestlohn gilt nur in den USA

​Und auch in Deutschland erntet Amazon Kritik. Denn ein einheitlicher Mindestlohn wurde nur für die USA und Großbritannien festgelegt – nicht für ganz Europa oder Deutschland. Hierzulande streitet Amazon seit Jahren mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über einen Tarif für die Mitarbeiter der Logistikzentren.