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Amazon entsorgt unsere Rücksendungen im Müll

Zerstörungs-Skandal bei Amazon: Jetzt spricht ein Mitarbeiter

US-Unternehmen im Zerstörungswahn

Kaum zu glauben, aber wahr: Vieles, was wir bei Amazon zurückschicken, landet im Müll. Das berichtet jetzt das ZDF-Magazin "Frontal 21". Laut interner Amazon-Dokumente werden jeden Tag tausende Artikel vernichtet. Und das betrifft nicht nur kaputte Produkte, sondern auch vollkommen intakte oder sogar komplett neue Waren – das bestätigen auch Mitarbeiter des Unternehmens. Wie kann das sein?

Handys, Tablets und sogar Kühlschränke werden einfach entsorgt

Amazon streitet die Vorwürfe nicht ab, teilte dem ZDF aber mit, das Unternehmen arbeite jeden Tag an der Verbesserung von Prozessen, um "so wenig Produkte wie möglich entsorgen zu müssen". Zu den zerstörten Produkten zählen unter anderem Elektro-Großgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen, aber auch Handys, Tablets oder sogar Möbel. Doch Amazon entsorgt nicht nur eigene Produkte - das Versandunternehmen nimmt sogar Zerstörungs-Aufträge von anderen Anbietern an, die den Service "Versand durch Amazon" nutzen. Amazon-Mitarbeiter und Betriebsratsmitglied Patrick Burghart sagt dazu: "Wir haben Artikel, die nigelnagelneu aussehen, wo die Kollegen es selbst nicht genau verstehen, warum die in die Vernichtung gehen."

Ein "riesengroßer Skandal"

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth
Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: "Ein riesengroßer Skandal"
deutsche presse agentur

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, bezeichnet die Vorgänge als einen "riesengroßen Skandal". "Wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit", wird er im ZDF-Bericht zitiert. Auch Greenpeace-Expertin Kirsten Brodde übt harsche Kritik an Amazons Vorgehen: "Wir brauchen ein gesetzliches Verschwendungs- und Vernichtungsverbot für neuwertige und gebrauchsfähige Ware."

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"Entsorgung ist die günstigste Variante"

Doch warum macht Amazon das überhaupt? Die vielen Retouren sind für alle Online-Versandhändler ein Problem. Manche Unternehmen erstatten sogar schon das Geld zurück, ohne die Ware zurückzuverlangen - für viele Händler ist die Retoure einfach zu teuer. Jaqueline Goebel von der "Wirtschaftswoche", die an der Aufdeckung des Skandals beteiligt war, sagt dazu: "Die Entsorgung ist für die Unternehmen einfach die günstigste Variante." Viele Dinge werden oft nur "zur Ansicht" gekauft, Kunden lassen massenweise Produkte wieder zurückgehen. Und diese sind oft beschädigt oder schon mehrfach benutzt. Amazon erklärte dazu: "Wenn Produkte nicht verkauft, weiterverkauft oder gespendet werden können, arbeiten wir mit Aufkäufern von Restbeständen zusammen, die diese Waren über andere Kanäle weiterverkaufen." Leider scheint das nicht bei allen Rücksendungen wirklich zu funktionieren, obwohl auch die Mitarbeiter sich gegen die Zerstörung engagieren.

Was die Angestellten von Amazon gegen die Zerstörung tun wollen und wie die Vorschläge vom Unternehmen aufgenommen werden, sehen Sie im Video.