18. Juni 2019 - 12:10 Uhr

"Ich bin kein Monster"

Amanda Knox wollte nie wieder nach Italien zurückkehren - das Land, in dem die heute 31-Jährige fast vier Jahre im Gefängnis saß. Jetzt hat sie es dennoch getan und eine emotionale Rede gehalten. Darin hat sie ihre Version des Mordes verteidigt: "Ich war unschuldig. Aber der Rest der Welt hatte entschieden, dass ich schuldig war". Den bewegenden Auftritt - in unserem Video.

„Für mich war es unmöglich, einen fairen Prozess zu haben"

Italien: Amanda Knox polarisiert noch immer.
"Es war eine falsche Geschichte", sagt Knox über das, was in den Medien über sie geschrieben wurde.
© Damiano Fiorentini / SplashNews.com

Alle Augen sind auf sie gerichtet: Amanda Knox atmet tief durch. Immer wieder. Tränen sammeln sich in ihren Augen. In dem gut gefüllten Saal im italienischen Modena hat sie die Möglichkeit, ihre Version der Ereignisse von damals zu erzählen. "Ich habe tausendmal gesagt, dass ich es nicht war. (...) Es missfällt mir, dass ich es immer wiederholen muss, denn das bedeutet, dass meine Antwort jedes Mal, wenn ich gefragt werde, nicht zählt", sagt die 31-Jährige. Ihre bewegenden Worte sind auch eine Anklage an die Medien. "Für mich war es unmöglich, einen fairen Prozess zu haben", sagt Knox. Noch immer habe sie Angst, belästigt und verhöhnt zu werden.

"Ich bleibe eine kontroverse Figur"

Amanda Knox Prozess Italien
Amanda Knox verlässt 2007 den Gerichtssaal im italienischen Perugia.
© REUTERS, STR

Zweimal wurde Amanda Knox des Mordes schuldig gesprochen - und zweimal freigesprochen. Letzteres hat nichts am öffentlichen Interesse an ihrer Person geändert. "Ich bleibe eine kontroverse Figur", sagt Knox. Sie werde immer mit der Tragödie, mit dem Mord an ihrer Freundin verbunden sein. Zu dem Strafjustiz-Festival in Modena wurde Knox als Justizopfer eingeladen, "weil wir glauben, dass sie die Ikone, also das Symbol des massenmedialen Prozesses ist", sagt  Anwältin Elena Lenzini vom Organisationskomitee. Gezahlt worden sei ihr dafür nichts.

Amanda Knox: Mittelpunkt eines jahrelangen Justizkrimis

"Der Engel mit den Eisaugen": Amanda Knox
"Der Engel mit den Eisaugen": Amanda Knox
© imago/ZUMA Press, SpotOn

Am 2. November 2007 war in Perugia die Leiche der britischen Austauschstudentin Meredeth Kercher - Knox' damaliger Mitbewohnerin - gefunden worden. Zugedeckt mit einer Decke, halb nackt und mit durchschnittener Kehle. Wenige Tage nach dem Mord nahmen die Ermittler die damals 20-jährige Knox ins Visier. In den Medien wurde die Beschuldigte zum Mittelpunkt der Schlagzeilen und als "Engel mit den Eisaugen" berühmt.

Mordfall nie aufgekärt

Bis heute lässt der Mordfall Raum für Interpretationen - denn vollständig aufgeklärt wurde er nie. Der einzig rechtskräftige Verurteilte ist Rudy Guede. Er sitzt wegen Beihilfe zum Mord im Gefängnis. Wer noch dabei war, ist unklar.