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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag: Trauriger Rekord - 36 Millionen Kinder auf der Flucht

Jeder zweite Flüchtende ist ein Kind
Jeder zweite Flüchtende ist ein Kind Neue Zahlen machen nachdenklich 00:46

Nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie 2017

Während sich unsere Politiker streiten, ob man Migranten, die noch nicht registriert sind, an der Grenze abweist oder nicht, spielen sich in vielen Ländern auf dieser Welt jeden Tag schreckliche Dramen ab. Kinder müssen von heute auf morgen ihre Heimat und ihre Freunde verlassen, Familien werden auseinandergerissen, Hunger und Kriege treiben Menschen dazu, nur mit einem kleinen Rucksack in eine komplett unsichere Zukunft aufzubrechen. Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag und wir wollen diesen Tag dazu nutzen, die Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Warum fliehen sie, wie viele sind es und was sollte die Politik in den Industrieländern tun, um dieses Elend zu beenden.

Ein paar Zahlen, die nachdenklich machen

Von 110 Menschen, die auf diesem Planeten leben, ist einer auf der Flucht. Alle zwei Sekunden wird ein Mensch zur Flucht gezwungen, sei es durch Krieg, Hass, Hunger oder Klimawandel. 68,5 Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht. Und die schlimmste Zahl: Mehr als die Hälfte der Schutzsuchenden ist minderjährig, sind also Kinder. Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag berichtete, steige der Rekordwert der Fliehenden seit fünf Jahren immer weiter an.

UNHCR: Niemand wird freiwillig zum Flüchtling

Die größte Bürde tragen ärmere Länder, wie UNHCR-Chef Filippo Grandi betont: "Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall." 85 Prozent der Flüchtlinge lebten in teils bitterarmen Ländern oder solchen mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Er appellierte an die humanitäre Verantwortung reicher Staaten. "Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen."  

Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus fünf Ländern. "Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken", sagte er. Es handelt sich um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia. Wenn die Politik also nur alles Denkbare an Geld, Ideen und Lösungsansätzen in diese fünf Länder investieren würde, könnte sie große Teile der Flüchtlingsproblematik abstellen. Und das wiederum käme auch den unter der Flüchtlingswelle leidenden Ländern wie Italien und Griechenland zugute. 

Minderjährige müssen sich prostituieren, um zu überleben

ARCHIV - HANDOUT - 29.11.2017, Kongo: Flüchtlingskinder stehen in einem Flüchtlingsdorf. (zu dpa «Größte Fluchtkrisen 2017: Boote voller Rohingya, Gewalt im Kongo» vom 18.06.2018) Foto: Christian Jepsen/Norwegian Refugee Council NRC/dpa +++ dpa-Bildf
Die meisten Flüchtenden sind Binnenvertriebene, die im eigenen Land umherirren, wie zum Beispiel diese Kinder in der Demokratischen Republik Kongo. © dpa, Christian Jepsen, tba

Die Situation der Flüchtlingskinder in Griechenland beispielsweise ist miserabel: Laut SOS-Kinderdörfer weltweit befinden sich aktuell 22.500 Flüchtlingskinder in Griechenland, das sind 97 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter ihnen 3.150 unbegleitete Minderjährige. "Viele müssen sich prostituieren, um zu überleben", sagt der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Griechenland, George Protopapas.

"Wir brauchen dringend internationale Vereinbarungen und Maßnahmen, um diese Kinder und Jugendlichen vor Ausbeutung, Missbrauch und Tod zu bewahren", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

In Deutschland hielten sich nach diesen Zahlen im vergangenen Jahr 970.400 Flüchtlinge auf. Deutschland stand damit hinter der Türkei, Pakistan, Uganda, dem Libanon und dem Iran an sechster Stelle der Zufluchtsländer. Gemessen an der Bevölkerung nahm der Libanon am meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Jordanien und der Türkei. 

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