Jeder dritte Papa nimmt sich die Auszeit für sein Kind

Vater nimmt Elternzeit und verliert den Job

21. Januar 2020 - 14:31 Uhr

Video: Fünffacher Vater über seine Kündigung nach der Elternzeit

Jeder dritte Vater nimmt sich heutzutage Elternzeit. Auch Torsten Fichtner nahm sich eine Auszeit für das dritte Kind. Sein Arbeitgeber war damit gar nicht zufrieden. Im Unternehmen soll er gemobbt und schikaniert worden sein. Schließlich wurde er gekündigt. Im Video erzählt der mittlerweile fünffache Vater über die Zeit, die sein ganzes Leben veränderte.

"Man fühlt sich einfach nur hilflos"

Sieben Jahre lang hatte Torsten Fichtner im Vertrieb eines Medizin-Unternehmens gearbeitet. Arbeitnehmer und Arbeitgeber waren bis dato voll zufrieden. Doch nach der Elternzeit drehte sich auf einmal innerhalb von 14 Tagen Torstens gesamte Welt. Eine schlimme Zeit für den mittlerweile fünffachen Vater: "Man fühlt sich einfach nur hilflos. Man möchte ja trotzdem eigentlich Vollgas geben. Man möchte was schaffen, was reißen. Dann wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen." Der Grund seines Arbeitgebers: Eine fehlende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Rechtlich ist es schwer zu beweisen, dass der Vater wegen der Elternzeit gekündigt wurde. Denn das ist verboten.

Wirtschaftspsychologin Kristin Pogorzelski hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und weiß zu gut, dass viele Väter Angst haben, Elternzeit einzureichen. Zum größten Teil haben sie negative Erfahrungen. "Viele Väter haben Angst vor Konsequenzen, die auf sie zukommen. Man weiß nicht genau, wie reagiert der Chef, wie reagiert das Umfeld? Wie reagieren die Kollegen? Drohen vielleicht Karriereeinbußen?", erzählt Pogorzelski.

Elternzeit: Tipps für alle Väter und werdende Chefs

Immer mehr Väter in Deutschland nehmen zwar Elternzeit in Anspruch, aber immer noch deutlich weniger als Frauen. Dabei finden es laut des Väterreports des Familienministeriums 82 Prozent der Bevölkerung gut, wenn Väter sich eine Auszeit nehmen oder die Arbeitszeiten reduzieren, damit sie sich mehr um die Kinder kümmern können. Ein Befürworter ist auch Volker Baisch, der Gründer der Väter gGmbH. Er meint, dass auch die Gesellschaft erwarte, dass die Väter sich engagieren.

Baisch bereitet Väter strategisch vor und schult Führungskräfte, sich darauf einzustellen. Seine Tipps für alle Väter:

  • Wer sich Elternzeit nimmt, hat grundsätzlich Kündigungsschutz. Innerhalb dieser Zeit kann der Mann nicht gekündigt werden. Zumindest bezieht sich der Kündigungsschutz in diesem Fall auf eine Frist von acht Wochen. So sollten Väter ihre Elternzeit acht Wochen vor Beginn dieser anmelden.
  • Väter könnten ihrem Arbeitgeber auch Alternativen für die zeitliche Gestaltung der Elternzeit anbieten. Diese Zeit kann in einem Stück oder auch in zwei Blöcken genommen werden. Diesbezüglich sollte sich der Mann mit seiner Frau gut abstimmen.

Fest steht: Sowohl Mutter als auch Vater haben gesetzlich Anspruch auf 36 Monate Elternzeit.