Kein Vergleich zu 2020

Als die Reifen in Silverstone 2013 ungefragt Silvester feierten

30.06.2013- race, Felipe Massa (BRA) Scuderia Ferrari F138 with rear left tire exploded PUBLICATIONxNOTxINxUK
© Imago Sportfotodienst

03. August 2020 - 11:03 Uhr

Reifenplatzer-Hotspot Silverstone

Die Reifenplatzer in den letzten Runden des Silverstone Grand Prix der Formel 1 sorgten für ordentlich Action am Rennende. Oder auch für Frustration – zumindest für diejenigen, die es mit Valtteri Bottas oder Carlos Sainz halten. Was viele nicht (mehr) wissen: Beim Rennen 2013 war es noch viel schlimmer, denn dort explodierten die Pneus regelrecht. Zur Situation 2020 gibt es aber einen entscheidenden Unterschied.

Vier Fahrern zerfetzt der Reifen 2013

Lewis Hamiltons Reifen löst sich in Luft auf.
Weil Hamiltons Reifen bereits so früh explodierte, gingen die meisten von einer anderen Ursache aus. Tatsächlich waren die Teams aber selbst Schuld.
© Imago Sportfotodienst

Die Teams vor sieben Jahren waren selbst Schuld. So wurde unter anderem am Radsturz und insbesondere am Reifendruck fröhlich durchexperimentiert, um die damals rapide abbauenden Gummis länger am Leben zu erhalten. Teilweise wurden die Räder sogar absichtlich falsch montiert, also zum Beispiel ein für hinten links vorgesehener Reifen einfach hinten rechts montiert.

Natürlich brachten diese Änderungen Reifenhersteller Pirelli auf die Palme, denn die Italiener hatten sich die optimalen Reifendrücke und Co. ja nicht einfach nur ausgedacht. Es ging dabei auch um die Sicherheit. Die Uneinsichtigkeit der F1-Teams quittierten die schwarzen Pneus im Rennen dementsprechend: Bereits in Runde sieben platzte Lewis Hamiltons linker Hinterreifen, in Runde elf traf es dann Felipe Massa und wenig später wurden auch Jean-Eric Vergne und Sergio Perez Opfer des Reifenfeuerwerks.

Konsequenzen aus Silverstone 2013 wirken bis heute

Silverstone 2013 wurde im Nachhinein zum Präzedenzfall, zumindest was die Reifen angeht. Pirelli forderte bei der FIA nach dem peinlichen Fauxpass nach Einsatzvorschriften, damit kein Rennstall mehr an den Reifen herumspielt. Die FIA nahm diesen Vorschlag an.

Seitdem gibt der italienische Hersteller für jedes Rennen ein bestimmtes Fenster für den Reifendruck an. Bei Verstößen gibt es harte Strafen. Übrigens zog Pirelli nach dem Desaster in Silverstone 2013 auch selbst Konsequenzen. Fortan bestand die Karkasse des Reifens nicht mehr aus Stahl, sondern aus Kevlar.

Zwei mögliche Gründe für Reifendesaster

2020 war die Situation aber eine andere. Zunächst einmal ist noch nicht vollständig geklärt, inwiefern Teile auf der Strecke für die Reifenschäden gesorgt haben könnten. Eine Hälfte des abgebrochenen Frontflügels von Kimi Räikkönen lag in der schnellen Passage um Magotts und Becketts verteilt.

Als andere Ursache für die Probleme kommt der Rennverlauf infrage. In der zweiten Safety Car-Phase holten sich die meisten Fahrer die harten Reifen, mit denen sie dann das Rennen beendeten. Das geschah allerdings bereits in der 13. von 52 Runden. 39 Umläufe auf einem Satz Reifen auf einer Strecke, in der die höchsten Kräfte der gesamten Saison auf die Reifen wirken? Auf den ersten Blick keine gute Idee. "Es könnte der Verschleiß gewesen sein. Nach 38 Runden oder mehr auf dieser Runde sind die Reifen zu 100 Prozent runter", erklärt Pirelli-Sportchef Mario Isola: "Wenn ein Reifen schon komplett runtergefahren ist, ist natürlich auch der Schutz der Karkasse durch die Lauffläche geringer. Wenn dann ein Teil herumliegt und den Riefen beschädigt, kommt es schneller zu einem Reifenschaden."

Nächstes SIlverstone-Wochenende mit noch weicheren Reifen

Somit tragen auch in diesem Fall die Teams zumindest eine Mitschuld an den Ereignissen. Zur genaueren Analyse werden die betroffenen Reifen nun in Pirellis Labor genauer untersucht, um herauszufinden, ob denn wirklich bei allen Reifenplatzern die gleiche Ursache zugrunde liegt.

Für das nächste Rennwochenende, das ebenfalls in Silverstone stattfindet, bringt Pirelli sowieso neue Reifen an den Start. Die Krux an dieser Geschichte ist aber: Die Reifen werden noch weicher sein als an diesem Wochenende. Weil die Reifen längst vorproduziert sind, ist diese Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen. Eine Einstopp-Strategie beim anstehenden Grand Prix scheint daher äußerst unwahrscheinlich. Wir können uns also schon jetzt auf einen regen Betrieb in der Boxengasse einstellen.