Alonso triumphiert - Vettel schimpft über indische "Gurke"

20. März 2013 - 11:01 Uhr

Fernando Alonso und Ferrari haben im Regen von Malaysia eine fast märchenhafte Auferstehung gefeiert. Der Spanier siegte in einem chaotischen Gewitter- und Regenrennen überraschend vor dem unerwartet starken Sauber-Fahrer Sergio Perez und übernahm damit die Führung in der Fahrer-WM.

Fernando Alonso, Ferrari, vor Sergio Perez, Sauber
Ferrari-Star Fernando Alonso rettete sich vor Sauber-Mann Sergio Perez als Sieger ins Ziel.
© XPBCC

Titelverteidiger Sebastian Vettel und Saisonauftakt-Sieger Jenson Button erlebten dagegen ein Rennen zum Vergessen und blieben beim 2. WM-Lauf ohne Punkte. Vettel kostete ein Reifenschaden nach einer Kollision mit dem HRT von Narain Karthikeyan acht Runden vor Schluss Platz vier und wertvolle WM-Punkt. "Das ist extrem frustrierend", klagte Vettel, der Elfter wurde. "Wie das auch im echten Leben ist, gibt es noch ein paar Gurken, die auf der Strecke rumfahren." Button, der während des Rennens ebenfalls mit Karthikeyan aneinandergeraten war, kam als 14. ins Ziel.

Sein McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton schaffte es wie vor einer Woche in Melbourne von der Pole Position wieder nur auf den 3. Podestplatz - vor Vettels Red-Bull-Stallgefährten Mark Webber und Kimi Räikkönen im Lotus. Bester deutscher Pilot war Nico Hülkenberg, der als Neunter seine ersten WM-Punkte für Force India einfuhr. Land unter hieß es dagegen in jeder Hinsicht bei Mercedes: Michael Schumacher rettete nach Startplatz 3 als Zehnter gerade noch einen WM-Punkt, Nico Rosberg wurde enttäuschender 13. Timo Glock belegte im Marussia Virgin Platz 17.

Wenige Minuten vor dem Start öffnete der Himmel über Kuala Lumpur seine Schleusen. Auf Intermediates-Reifen verteidigte Hamilton bei zunächst noch leichtem Regen von Startplatz 1 problemlos seine Führung vor Teamkollege Button. Der erstmals seit seinem Comeback von Position 3 gestartete Schumacher kam dagegen ganz schlecht weg, büßte zunächst zwei Positionen ein und in Kurve zwei dann alle Chancen auf eine Top-Platzierung: Nach einer Berührung mit Lotus-Pilot Romain Grosjean drehte sich der Rekordchampion und fiel auf Platz 16 zurück.

Doch dann schien der malayische Regengott Schumacher zu Hilfe zu kommen: Eine Gewitterfront zog über die Strecke, Runde um Runde nahm der Regen zu. Doch nicht Schumacher und Mercedes trafen die richtige Entscheidung, sondern Ferrari und Sauber. Beide Teams holten ihre Fahrer Alonso und Perez in Umlauf 5 und damit eine Runde vor den meisten anderen Fahrern an die Box, um auf Regenreifen zu wechseln. Das war der Grundstein für den späteren Sensationserfolg der beiden.

Gewitter und Regen stoppen das Rennen für 51 Minuten

Doch zunächst ging erst einmal gar nichts mehr auf dem Sepang International Circuit: Selbst die tief profilierten Regenreifen waren den Wassermassen, die vom Himmel kamen, nicht mehr gewachsen. Die Rennleitung reagierte, schickte in Runde 7 zunächst das Safety Car auf die Strecke und brach den Grand Prix nach zwei weiteren Runden aus Sicherheitsgründen ab.

51 Minuten später setzte sich das Feld bei nur noch leichtem Regen hinter dem Safety Car wieder in Bewegung. Beim fliegenden Neustart vier Runden später behauptete Hamilton souverän die Führung, Button bog dagegen sofort in die Boxengasse ab, um von Regen- auf Intermediate-Reifen zu wechseln. Ein taktischer Schachzug, der sich ausgezahlt hätte, wäre der Melbourne-Gewinner nicht zwei Runden später mit dem HRT von Karthikeyan kollidiert. Ein notwendiger weiterer Boxenstopp warf Button bis ans Ende des Feldes zurück.

Großer Gewinner des Neustarts wurden so Alonso und Perez, die eine beziehungsweise zwei Runden nach Button auf Intermediates wechselten. Alonso vor Perez, Hamilton, Rosberg und Vettel – so lautete die Reihenfolge an der Spitze, nachdem sich die erste Hektik nach dem Restart wieder gelegt hatte. Während sich Alonso und Perez in der Folge vom Rest des Feldes absetzten, verlor Rosberg binnen drei Runden drei Positionen, bevor ihn seine stark abbauenden Reifen zu einem weiteren Service zwangen. Damit war auch für den zweiten Silberpfeil-Fahrer das Rennen gelaufen.

Ganz vorne schien Alonso einem ungefährdeten Sieg entgegenzufahren. Doch dann drehte plötzlich Perez auf, schob sich in seinem mit einem Ferrari ausgestatteten Sauber Runde um Runde näher an den Spanier heran. Der Wechsel auf die weichen Trockenreifen in Runde 40 verschaffte Alonso nur kurzzeitig Luft. Perez entschied sich einen Umlauf später für die harten Gummis und war sechs Runden vor Ende wieder in Schlagdistanz. Doch ein Fahrfehler kosteten den Mexikaner seinen möglichen ersten Grand-Prix-Sieg.

Der 22-Jährige kletterte in seinem 19. Grand Prix als Zweiter erstmals aufs Podium. Für Sauber war es nach zuvor sechs dritten Plätzen das beste Resultat seiner Formel-1-Geschichte, was Teamgründer Peter Sauber Tränen in die Augen trieb. "Es war einfach nur schön. Ich glaube, wir dürfen mit dem Podest zufrieden sein", sagte der Schweizer.

Groß war auch die Freude bei Ferrari. "Wir sind unheimlich stolz auf dich", funkte die Boxen-Crew an Alonso, der mit dem schwächelnden roten Renner erstmals seit mehr als acht Monaten wieder ein Rennen gewann. "Es ist ein unglaubliches Resultat. Der Sieg macht uns glücklich für die nächsten zwei Tage", sagte der Spanier, nicht ohne den Blick für die Realität zu verlieren: "Aber es ändert nichts daran, dass wir das Auto verbessern müssen."