Alkoholvergiftungen bei Kindern verbreitet

Komasäufer unter 15 Jahren meist weiblich 

Komasäufer werden immer jünger.
Komasäufer werden immer jünger.

05. März 2021 - 12:54 Uhr

Rauschtrinken bei Schülern bleibt ein Problem

Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren sind wesentlich öfter wegen Alkoholmissbrauch in der Klinik als Jungen im gleichen Alter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der DAK- Krankenkasse. Auch die Zahl der Kinder mit Alkoholvergiftungen hat deutlich zugenommen. Das Rauschtrinken bei Schülern bleibt also ein Problem.

Anlass zur Sorge sind junge Mädchen

Die Entwicklung sei insgesamt positiv: Nach einem Höchststand im Jahr 2011, als 6.229 Klinikeinweisungen zu verzeichnen waren, ging die Zahl zurück. "Allerdings, sehen wir die Anzahl im Jahr 2003 - da waren es 2.644, wissen wir, dass noch sehr viel zu tun bleibt. Und ehrlich gesagt, ist eigentlich jeder Fall einer zu viel", sagt Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung in NRW.

Ein Problem sei die Auswirkungen des Rauschgifts auf Kinder und Jugendliche. "Alkohol wirkt auf junge Menschen schneller, stärker und länger als auf Erwachsene. Deshalb ist das Komasaufen bei Jugendlichen eine gefährliche Sache. Wichtige Gesundheitsthemen wie dieses sollten im Schulalltag diskutiert werden", so Overdiek.

Besonders besorgniserregend sei die Entwicklung der jungen Mädchen und Jungen. In der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen mussten in NRW 628 Kinder in einer Klinik behandelt werden, darunter 231 Jungen und 397 Mädchen. "Wir setzen weiter auf Prävention, unter anderem mit unserer Kampagne 'bunt statt blau' - auch in diesem Jahr", so Klaus Overdiek.

Komatrinker werden immer jünger

Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Kindern im Alter zwischen 10 und 15 Jahren hat deutlich zugenommen. Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes in Niedersachsen wurden im Jahr 2019 insgesamt 280 Jungen und Mädchen dieser Altersgruppe alkoholbedingt ins Krankenhaus gebracht, wie ein Sprecher der Krankenkasse DAK-Gesundheit mitteilte.

Im Vergleich zu 2018 stieg die Zahl um rund 17 Prozent. Im Bundesland Bremen kletterte die Zahl der sogenannten Komatrinker im Alter bis 15 Jahren von 28 auf 31. Der Leiter der niedersächsischen DAK-Landesvertretung, Dirk Vennekold, nannte die Zahlen alarmierend. "Kinder oder Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik kommen - das muss nicht sein."

Insgesamt ging die Zahl der alkoholbedingten Klinikeinweisungen bei Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren im Vergleich zu 2018 zurück. In Niedersachsen gab es insgesamt 1735 Fälle, im Vorjahr waren es mit 1788 etwa drei Prozent mehr. Im Bundesland Bremen sank die Zahl von 222 um rund sieben Prozent auf 206.

Konsum hat sich ins private Umfeld verlagert

Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sagte, es sei wichtig, das Thema Alkoholtrinken zu thematisieren. Derzeit habe sich der Konsum in das private Umfeld verlagert, wo coronabedingt in kleinen Gruppen oder auch allein Alkohol getrunken werde. "Hier können die Grenzen zwischen Genuss und Gewohnheit schnell verwischen und zur Gefahr werden." Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke) sagte, Rauschtrinken sei unter Jugendlichen leider nach wie vor verbreitet. "Gerade jetzt, unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie, den gravierenden Einschnitten ins soziale Leben besonders für junge Menschen, ist es umso wichtiger, über die Risiken von Alkohol aufzuklären." Auch die Zahl der Jugendlichen, die sich Hilfe bei Psychiatern suchen, ist in letzter Zeit deutlich gestiegen.

Die beiden Politikerinnen haben die Schirmherrschaft für die DAK-Präventionskampagne "bunt statt blau". Dabei sucht die Krankenkasse die besten Plakate gegen das Komasaufen, um junge Menschen auf die Risiken durch Alkoholkonsum aufmerksam zu machen.

Quelle: DPA/ RTL.de