Fall von alkoholisierten Piloten in Schottland

Betrunken im Cockpit - Einzelfall oder kommt das öfter vor?

7. August 2019 - 12:12 Uhr

Ausgerechnet die Piloten!?

Kann es sein, dass es manche Piloten nicht so genau mit dem Alkoholkonsum nehmen? In Schottland blieb jetzt ein Flieger am Boden - weil die Piloten angetrunken hunderte Passagiere in die USA fliegen wollten. In unserem Video berichtet eine Flugbegleiterin aus ihrem Alltag und eine Pilotin zeigt uns exklusiv, wie gefährlich Alkohol beim Fliegen ist.

Flugbegleiterin erzählt: „Kapitän nahm Alkohol mit ins Cockpit"

Der 9-Uhr-Flug von Glasgow nach New York am 3. August: Der Flieger bleibt am Boden, aber nicht wegen eines Materialfehlers, sondern weil die Piloten alkoholisiert sind. In unserem Video erzählt eine Flugbegleiterin uns von ihrem Erlebnis mit einem Kapitän, der Alkohol aus dem Duty-Free-Shop mit ins Cockpit genommen hat. Im Cockpit gilt weltweit eine einheitliche 0-Promille-Grenze. Daher darf die Crew in der Regel zehn Stunden vor dem Start keinen Alkohol mehr trinken.

Experiment zeigt: Ab 0,8 Promille wird die Pilotin zur Kamikaze-Fliegerin

Piloten im Cockpit
Im Cockpit gilt weltweit in Sachen Alkohol die 0,0-Promille-Grenze. Ebenso sind selbstverständlich alle Drogen verboten.
© NILS KAHLE - 4FR PHOTOGRAPHY (NILS KAHLE - 4FR PHOTOGRAPHY (Photographer) - [None], iStock, NILS KAHLE - 4FR PHOTOGRAPHY

Wie extrem sich der Alkohol auswirkt, zeigt ein Experiment im Flugsimulator: Wir heben mit einer angetrunkenen Pilotin ab. Natürlich nur im einem Simulator, indem sonst Übungsflüge unter realistischen Bedingungen stattfinden. Mit knappen 0,8 Promille, das entspricht etwa zwei großen Bieren, setzt sich unsere Pilotin, die unerkannt bleiben will, hinter den Steuerknüppel. Erste Ausfallerscheinungen gibt es schnell, wie man im Video oben sieht.

Kontrollstandards werden 2020 EU-weit vereinheitlicht

Risiken, die Luftfahrtbehörden und Airlines mit stichprobenartigen Alkoholtests bei Piloten ausschließen wollen: "Die Behörden können jederzeit am Boden in den Flieger kommen und Alkohol- und Drogenkontrollen machen", erklärt uns Daniel Flohr von der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO). Das passiere in unregelmäßigen Abständen auch.

"Aber es nicht so, dass es ein großes Thema ist, vor allem weil die Fallzahlen in Deutschland verschwindend gering sind." Und seitens des Luftfahrtbundesamtes (LBA) heißt es: "Das LBA kontrolliert auf Basis des 15. Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsgesetzes, das im Juli 2016 in Kraft trat, Piloten ausländischer Fluggesellschaften stichprobenartig" und weist darauf hin, dass "deutsche Fluggesellschaften ab April 2017 verpflichtet sind, Verfahren vorzusehen, die sicherstellen, dass das fliegende Personal bei Dienstantritt diensttauglich ist".

Ab August 2020 tritt ein EU-weites Gesetz in Kraft, dass die bis heute von Land zu Land noch sehr unterschiedlichen Kontrollstandards vereinheitlichen soll. Denn auch wenn klar ist, dass die überwältigende Mehrheit der Piloten nüchtern abhebt: Ein einzelner Fall von Trunkenheit im Cockpit ist schon einer zu viel.