20. Mai 2015 - 19:27 Uhr

Unerkannter Blinddarm-Durchbruch

Stellen Sie sich vor, Ihr Kind hat höllische Schmerzen, Sie fahren ins Krankenhaus und niemand kann helfen. Genau das ist Familie Wieke aus Nordrhein-Westfalen passiert. Wären sie mit der der siebenjährigen Tochter nach mehr als einer Woche voller Schmerzen nicht nochmal in eine andere Klinik gegangen, wäre Alisha heute wahrscheinlich tot.

Ärztepfusch kostet fast ihr Leben
Diese Narbe wird die siebenjährige Alisha wohl ihr ganzes Leben begleiten. Erst der vierte Arzt erkannte einen Blinddarm-Durchbruch.

Eine Narbe wird Alisha noch lange an eine fürchterliche Zeit erinnern - das Mädchen hatte einen Blinddarmdurchbruch. - Die Entzündung war schon auf den Bauchraum übergegangen und damit lebensgefährlich. Der Kinderarzt schaut sich das Mädchen zuerst an. Er diagnostiziert Scharlach und gibt Antibiotika. Doch die Bauchschmerzen bleiben. Die Eltern fahren Alisha zum zweiten Arzt in die Kinderklinik nach Datteln. Hier gibt es Diagnose Nummer zwei, es heißt: Alisha habe Verstopfungen.

"Es gab zu diesem Zeitpunkt keinen Grund irgendetwas anderes zu tun, als das, was gemacht worden ist. Deshalb können wir da keinen Fehler feststellen", sagt Hannah Iserloh, Sprecherin der Kinderklinik Datteln.

Alisha: Spätfolgen nicht ausgeschlossen

Doch wieder kommen die Schmerzen - schlimmer als vorher. Die Familie geht zu Arzt Nummer drei - ins Marienhospital in Herne. Die Diagnose diesmal: Magen-Darm-Infekt. Entsprechende Behandlungen helfen aber nicht.

Die Blinddarm-Entzündung diagnostiziert erst Arzt Nummer vier in der Kinderklinik in Gelsenkirchen. Nach über einer Woche schmerzen, vier Ärzten und vier Diagnosen folgt sofort eine Not-Operation.

Die war gerade noch rechtzeitig. Kurz später wäre Alisha an dem Blinddarmdurchbruch wahrscheinlich gestorben. Bleibende Schäden sind dennoch nicht ausgeschlossen, so könnte es sein, dass das Mädchen wegen der späten Diagnose unfruchtbar ist und nie Kinder bekommen kann.

Laut dem allgemeinen Patientenverband kommt es in Deutschland jedes Jahr zu 100.000 Medizinschäden durch Versagen der Ärzte.