Alice Weidel wütet gegen die Bundesregierung - so locker reagiert die Kanzlerin!

21. November 2018 - 18:54 Uhr

Angela Merkel erntet Jubelschreie für ihren Weidel-Konter

Mit einer Wutrede hat Alice Weidel die Haushaltsdebatte im Bundestag eröffnet. Die Fraktionsvorsitzende der AfD hat Kanzlerin Angela Merkel eine "Politik der Spaltung und Unvernunft" vorgeworfen und die eigene Spenden-Affäre verteidigt. Doch die Kanzlerin nahm die aggressive Kritik locker. Direkt nach Alice Weidel sprach die Bundeskanzlerin nämlich selbst - und brachte viele Abgeordnete mit nur einem einzigen Satz zum Lachen. Sehen Sie im Video, wie Angela Merkel das geschafft hat.

AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel geht in die Offensive

Es war ein lauter und zorniger Auftritt der AfD-Politikerin am Mittwoch bei der Generalaussprache im Bundestag. Alice Weidel hatte die Bundesregierung scharf attackiert und ihr eine "Politik der Spaltung" vorgeworfen. An Kanzlerin Angela Merkel gerichtet sagte sie: "Ihre Politik ignoriert konsequent die ökonomische Vernunft." Außerdem sprach sie von einem "Krieg" gegen den Verbrennungsmotor und wetterte gegen die Migrationspolitik.

Für zahlreiche empörte Zwischenrufe sorgte allerdings der Part über die Spenden-Affäre ihrer eigenen Partei. Weidel räumte Fehler ein, griff dabei aber die anderen Parteien an. "Moralische Vorhaltungen müssen wir uns von Ihnen nicht machen lassen", sagte sie in Richtung Kanzlerin Merkel. Es habe bei der AfD keine Bargeldkoffer gegeben, die hin- und hergetragen wurden und deren Inhalt in Schubladen verschwunden ist, sagte Weidel mit Verweis auf die CDU-Spenden-Affäre Ende der 1990er Jahre. 

Was sonst noch im Bundestag wichtig war

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach bei ihrer ersten Rede im Bundestag, nachdem sie ihren Rücktritt als CDU-Chefin verkündet hat, über den rasanten digitalen Wandel und bezeichnete ihn als eine zentrale Herausforderung. Die Digitalisierung werde das Leben in allen Bereichen "tiefgreifend und qualitativ verändern", sagte Merkel. Im Moment sei die digitale Infrastruktur in Deutschland allerdings noch unzureichend.

Außerdem hat die Kanzerlin den UN-Migrationspakt verteidigt. Der Pakt sei der richtige Versuch, globale Probleme auch international und miteinander zu lösen, sagte Merkel. Es sei im nationalen Interesse Deutschlands, dass sich die Bedingungen für Flucht und Arbeitsmigration auf der Welt verbesserten. 

Generell äußerte sie sich besorgt über den Zustand der Welt, in der es wegen vieler Einzelinteressen und einer Rückkehr des Nationalismus zunehmend schwieriger werde. 

Hofreiter: Die Koalition ist eher eine große Selbsthilfegruppe

SPD-Chefin Andrea Nahles sprach über die Zukunft der Europäischen Union nach dem Brexit und erneuerte ihren Vorschlag für eine europäische Arbeitslosenversicherung. Pläne dazu stoßen allerdings beim Koalitionspartner CDU/CSU auf Widerstand.

FDP-Chef Christian Lindner warf der Bundesregierung unsolide Haushaltspolitik vor. "Baukindergeld, Mütterrente, Brückenteilzeit und, und, und - alles überwiegend konsumtive Ausgaben", sagte Lindner. "Sie setzen keine Impulse dafür, den Etat zukünftig zu finanzieren, Sie schaffen Ansprüche, die den Etat zukünftig strangulieren werden."

Die Große Koalition drehe sich trotz gewaltiger Aufgaben vor allem um sich selbst, warf der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der Regierung vor. "Wir erleben eine Koalition, die als große Selbsthilfegruppe vor allem mit sich selbst beschäftigt ist."

Nach Ansicht der Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht vernachlässigt die Bundesregierung dagegen bei ihren Investitionen die Interessen der Menschen. "Meinen Sie wirklich, dass zufriedene Rüstungslobbyisten wichtiger sind als zufriedene Wähler?", fragte sie.

Um den Haushalt ging es in vielen Reden eher am Rande

Bei Gesamtausgaben von 356,4 Milliarden Euro sind für den Etat des Kanzleramts 3,24 Milliarden Euro für 2019 eingeplant. Am Freitag soll der Bundeshaushalt, der zum sechsten Mal in Folge ohne neue Schulden auskommen soll, von den Abgeordneten endgültig beschlossen werden.