Alice Schwarzer im Interview

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"Ich versuche bis zum Ende zu zocken"

Können Sie sich an die Frage erinnern, an der Sie damals gescheitert sind?

Oh ja, mein ganzes Leben lang werde ich das nicht vergessen. Die Witzelsucht, die Menschen haben, die immer wieder zwanghaft Witze erzählen müssen. Ich verstehe gar nicht, warum ich das nicht geraten habe, wo die Antwort so nah lag, aber ich hab dann doch gepasst.

Wie lange hat Sie diese Frage denn verfolgt?

Verfolgt kann man nicht sagen. Es ist ja ein Spiel. Aber das ich an dieser Frage gescheitert bin, obwohl ich doch so viel Humor habe.

Kürzlich kam das Gerücht auf, Sie hätten vor der Sendung Prosecco getrunken, ist das richtig?

Wenn, nur einen, aber ich war auf keinen Fall beschwippst. Ich bin sogar vor ein paar Jahren schon mal von der Polizei angehalten worden und beim Reden hatten sie den Eindruck von mir, dass ich beschwippst sei. Aber ich hatte einfach nur gute Laune. Um Spaß zu haben, muss ich nicht trinken, auch wenn ich ganz gerne mal einen trinke.

Aber Ihr Auftritt war ja legendär, dieses Zwischenspiel zwischen Ihnen und Jauch.

Ich muss dazu sagen, dass ich die Sendung zwar kannte, aber nicht so gut, dass ich wusste, was man alles nicht machen darf. Ich dachte mir einfach, steh mal auf und versuch ein bisschen das Publikum zum Helfen zu Aktivieren. Ich habe aber auch noch die schöne Erinnerung daran, dass Jauch sehr gut gekontert hat. Ich merkte ihm immer an und er auch mir, dass wir beide selber Spaß daran hatten. Und ich glaube, dass ist das Entscheidende. Wenn man sich als Moderator oder Kandidat langweilt und immer wieder das gleiche macht, dann kann man davon ausgehen, dass sich auch die Menschen vorm Fernseher langweilen. Aber wir haben in der Situation und auch generell Spaß an Improvisation. Und das lief dann zwischen uns, sodass es ein witziger Moment geworden ist.

Für die Zuschauer war gerade Ihr Auftritt die Überraschung. Vor allem die Schlipsnummer, wie ist die zustande gekommen?

Ich habe mir extra besondere Schuhe angezogen, falls Herr Jauch wieder etwas zu meckern hat. Er hat mich ja wegen meiner sehr schicken Schuhe angemacht, die ich trug. Obwohl man kaum drin gehen kann, ich kann es auch nicht. Die habe ich angezogen, weil er so groß ist. Ich wollte nicht wie ein Püppchen neben ihm stehen. Jauch sprach dann von ´High Heels´ und Feminismus und ich hab ihn dann darauf mal auf seine Krawatte angesprochen. Die war ja viel zu breit, daher meinte ich dann gegenüber ihm, na ja, wenn man es nötig hat. Was man so sagt, wenn man mit Männern über Krawatten spricht.

Ist es auf diesem Stuhl wirklich wie beim Zahnarzt?

Vom Aussehen her vielleicht. Ich finde das entscheidende, vor allem bei den Prominentenspecials, ist, dass man Geld für sein Projekt gewinnt. Und ich habe auch dieses Mal wieder ein Projekt gewählt, dass mir sehr am Herzen liegt. Der Punkt ist immer, dass wenn man es weiß, man sich selbst und auch alle anderen freuen. Wenn man es aber nicht weiß und man jemand ist, bei dem man darauf vertraut, dass er so einiges wüsste, so wie ich, freuen sich die Menschen natürlich umso mehr. Da denken sie sich dann alle: Haha die Schwarzer hat es nicht gewusst. Es geht daher auch viel mehr um Entertainment als um Wissen. Von daher war ich da ganz gelassen. Viele Menschen haben mich damals vor der Sendung angerufen, weil sie wussten, dass ich die Sendung nicht so oft gesehen habe und sie gaben mir Ratschläge, was ich noch machen sollte. Ich meinte dann, macht euch doch keine Sorgen, ich kann nichts falsch machen. Weiß ich es, ist es gut, weiß ich es nicht, freuen sich die Menschen noch mehr.

Konnten Sie letztes Mal bei Jauch denn irgendwelche Gesten ausmachen, wodurch er sich ein bisschen verrät?

Nein, das ist der Charme und er hat wirklich ein Pokerface. Man weiß nichts. Ich habe versucht, ihn einzuschüchtern. Ich sagte ihm immer wieder, sie wollen mir doch für mein Projekt ein bisschen helfen und so weiter, ich wollte ihn ein bisschen unter Druck setzen, aber man weiß bei ihm überhaupt nicht woran man ist.

Was haben Sie denn heute für ein Geschenk mitgebracht?

Ich habe eine MAZ mit unseren Highlights mitgebracht, bei der mir RTL geholfen hat und die werde ich ihm feierlich überreichen. Ich denke der zweitschönste Moment ist der, dass wir zwei einen Bambi dafür bekommen haben. Wir haben dort nebeneinander gesessen und auch ein wenig gefiebert, das habe ich auch Jauch angemerkt. Für mich ist der Zuschauerbambi natürlich von allen Bambis der ehrenvollste, weil er von den Zuschauern kommt. Als wir dann genannt wurden, haben wir uns angestoßen, beide gleichzeitig in die Seite. Und dann sind wir nach vorne gegangen und waren beide zufrieden.

Was ist denn schwieriger zu knacken, Jauch oder die Fragen?

Das gehört zusammen und ist untrennbar.

Haben Sie sich für heute noch mal speziell vorbereitet?

Nein, das hat gar keinen Zweck. Ich habe mir die Haare gewaschen, bin nicht zu spät ins Bett gegangen und versuche einfach gute Laune zu haben. Ich finde, es widerspricht dem Charakter dieser Sendung, sich irgendwie vorzubereiten. Man muss sich drauf einlassen.

Gibt es noch eine Art Kampfansage von Alice Schwarzer?

Ich versuche, bis zum Ende zu zocken und vor allem werde ich versuchen, ihn an seinem Gewissen zu packen, damit er mir für mein Projekt nicht unnötig das Geld abschneidet. Nein, nein, es ist ein Spiel und Spiele soll man auch spielen.