Verdacht auf illegales Autorennen in Dresden

Ali (†6) totgerast: Was droht nun dem mutmaßlichen Raser?

Ali (6) starb bei einem Unfall nur wenige Meter von der Wohnung entfernt – nur eine Woche vor seiner Einschulung.
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24. August 2020 - 14:38 Uhr

Ali starb wenige Meter vor der Wohnung

Der kleine Ali (†6) ist am Samstag mutmaßlich durch ein illegales Rennen ums Leben gekommen. Kurz vor 21 Uhr war Ali von einem Mercedes erfasst und gegen eine Bushaltestelle geschleudert worden. Der Junge kam schwer verletzt ins Krankenhaus, wenig später verstarb er dort. Welche Strafe droht nun dem mutmaßlichen Raser, der für den Tod des unschuldigen Jungen verantwortlich ist?

Lebenslange Haft wegen Mordes

23.08.2020, Sachsen, Dresden: Ein Plüschtier und Blumen liegen nach einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein sechsjähriger Junge ist bei einem Unfall am Abend des 22. August 2020 gestorben · womöglich weil sich zwei Männer ein illegales Auto
An dieser Bushaltestelle wurde der kleine Ali angefahren
© dpa, Sebastian Kahnert, skh cul

Wer durch Innenstädte rast, riskiert als Mörder verurteilt zu werden – mit der Folge: lebenslange Freiheitsstrafe. Das "strafrechtliche Instrumentarium" sei da, erklärt Rechtsanwalt Arndt W. Kempgens. "Es können ja sogar die Fahrzeuge beschlagnahmt und auch verkauft werden". Meistens gehe es um junge Männer, wo noch eindeutig Aufklärungsarbeit erforderlich sei. "Diese Täter werden mit gemeinen Mördern gleichgesetzt", so Kempgens. "Sogar bei niederschwelligen Sachen, wo es noch zu keinen Unfällen kommt und wo nur ein Rennen gefahren wird – auch da werden die Führerscheine einkassiert und die Autos versteigert."

Gegen den 31-Jährigen aus Dresden wird wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. Zudem wurde gegen beide Männer ein Ermittlungsverfahren wegen eines verbotenen Rennens eingeleitet, teilte die Polizei weiter mit. Die Führerscheine der beiden Männer wurden eingezogen. Bis Sonntagnachmittag gingen bei der Polizei bereits mehrere Hinweise ein.

Augenzeugin: Die Totraser hielten mich davon ab, Erste Hilfe zu leisten

Rund 1.900 illegale Rennen und Einzelraser im letzten Jahr

Raserei und illegale Straßenrennen gelten seit 2017 in Deutschland als Straftat und nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Nach dem Strafgesetzbuch wird das mit bis zu zwei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet. In Berlin sorgte ein Fall aus dem Jahr 2016 für Schlagzeilen, bei dem ein Raser wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Er hatte sich mit einem anderen Mann in der Berliner Innenstadt ein Rennen geliefert. Bei der Kollision mit einem anderen Auto starb ein Rentner. Der Bundesgerichtshof hatte vor ein paar Wochen das Urteil bestätigt.

Eine Umfrage unter den Bundesländern ergab, dass die Zahl der Raser und "Rennfahrer" auf Deutschlands Straßen wächst. Obwohl die Bundesregierung dies zum Straftatbestand machte, sind die Fallzahlen in vielen Bundesländern zum Teil dramatisch gestiegen. Demnach zählte die Polizei in neun Bundesländern im Jahr 2019 rund 1.900 Fälle, etwa 700 mehr als ein Jahr zuvor. Darunter fallen neben illegalen Rennen auch Einzelraser, die mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs waren sowie Flucht vor der Polizei bei Verfolgungsjagden.