Alexander Zverev wandelt auf Boris Beckers Spuren - Buhrufe überschatten großen Sieg gegen Roger Federer

Buhfrufe nach dem Matchgewinn: Alexander Zverev reagiert wie ein großer Champion
Buhfrufe nach dem Matchgewinn: Alexander Zverev reagiert wie ein großer Champion
© dpa, John Walton, alh lof

17. November 2018 - 23:38 Uhr

Buhrufe: Emotionaler Zverev zeigt große Reaktion

22 Jahre hat Tennis-Deutschland auf diesen Tag gewartet: Als erster Deutscher seit Boris Becker steht Alexander Zverev beim ATP-Saisonfinale der besten acht Spieler der Welt im Endspiel. Im Halbfinale gegen Roger Federer bewies der 21-Jährige starke Nerven – auch nach dem Match: Das Publikum pfiff Zverev gnadenlos aus. Den Hamburger nahm dies heftig mit, er rang mit den Tränen, aber seine Reaktion war die eines großen Champions.

Pfiffe überschatten Zverevs großen Sieg über Federer

Eigentlich sollte es ein Moment unbändiger Freude werden, doch als Alexander Zverev nach seinem herausragenden 7:5 und 7:6 gegen den Schweizer Superstar Roger Federer seinen Endspieleinzug feiern wollte, schallten ihm in der riesigen Londoner O2-Arena laute Buhrufe um die Ohren.

Die Pfiffe erschütternden Zverev sichtbar bis ins Mark, er schwieg im Interview zunächst und rang um Fassung, darum, seine Augen trocken zu halten. Statt in Tränen auszubrechen oder trotzig aufs Publikum zu schimpfen, zeigte der 21 Jahre alte Hamburger dann eine reife Reaktion, die der eines Champions würdig war.

Zverev: "Ich wollte nicht, dass es so endet"

"Roger ist der Größte. Er hat es verdient, mehr Fans zu haben als alle anderen auf der Welt", sagte Zverev und erkannte, warum er das Publikum so gegen sich aufgebracht hatte. "Ich will mich dafür entschuldigen, dass ich das Match auf diese Art gewonnen habe. Das habe ich nicht gewollt. Aber so sind die Regeln, der Balljunge hat den Ball fallen gelassen und dann muss der Punkt wiederholt werden."

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Diese Szene machte das Publikum so wütend

Was war passiert? Beim Stand von 4:3 für Federer im Tiebreak des zweiten Satzes hatte Zverev unter Druck von Federer einen Punkt abgebrochen, weil im Rücken des 37-Jährigen ein Balljunge eine der Filzkugeln fallen und in Richtung Feld kullern gelassen hatte. Zverev fühlte sich gestört, beschwerte sich und bekam den Regeln entsprechend Recht. Der Punkt wurde wiederholt. Er gewann diesen und wenige Minuten später auch das Match.

Zverev: Frustration unterwandert die Freude

"Die Situation hat mich traurig gemacht. Ich habe gedacht, ich machte das Richtige", sagte Zverev. Das tat er mit Blick aufs Regelbuch auch, aber das Publikum war trotzdem nicht zu bändigen, auch als die Interviewerin nach dem Match um Contenance und Fairness bat. Doch Zverev blieb cool. "Ich bin unglaublich stolz und glücklich. Ich kann noch gar nicht realisieren, dass ich morgen das Finale spielen kann. Im Moment bin ich aber noch sehr frustriert über das Ende des Matches", sagte er bevor er die Halle verließ.

Zverev schreibt ein Kapitel deutscher Tennis-Geschichte

Am Sonntag hat Zverev die Chance, in die großen Fußstapfen von Boris Becker zu treten. Deutschlands Tennis-Superstar der 1980er- und 1990er-Jahre hat als bislang letzter Deutscher 1995 die damals noch als ATP-WM bekannte Veranstaltung gewonnen.

Im Endspiel gegen den US-Amerikaner Michael Chang waren damals allerdings alle Zuschauer auf Beckers Seite. Damals fand das ATP-Finale noch in der Frankfurter Festhalle statt. Wie viele Fans am Sonntag für Zverev sind, bleibt abzuwarten. Sein Gegner wird Pulikumsliebling Novak Djokovic sein, der den Südafrikaner Kevin Anderson 6:2, 6:2 abfertigte.