Alexander Gauland fordert: Deutsche sollen stolz auf die Leistungen der Soldaten in den Weltkriegen sein

15. September 2017 - 13:47 Uhr

Die AfD kann nicht von der Vergangenheit lassen

Der AfD-Politiker Björn Höcke hat erst vor kurzem einen 180-Grad-Wandel im geschichtlichen Umgang mit dem Holocaust gefordert. Der Schock über den Tonfall und den Inhalt der Rede war groß. Die Äußerungen haben Höcke sogar in der nach rechts weit offen scheinenden AfD ein Parteiausschlussverfahren eingebracht. Trotzdem kann die Partei mit der deutschen NS-Vergangenheit wohl einfach nicht abschließen, obwohl sie genau das immer wieder fordert.

Alexander Gauland: "Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten"

Das neueste Beispiel: AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland forderte in einer Rede am 2. September erneut einen Schlussstrich bei der Vergangenheitsbewältigung: "Ja, wir haben uns mit den Verbrechen der zwölf Jahre auseinandergesetzt. Und, liebe Freunde, wenn ich mich in Europa umgucke: Kein anderes Volk hat so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche", sagte Gauland in einem im Internet verbreiteten Video der Rede. "Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus."

Weiter sagte Gauland: "Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen."

Die Empörung über Gaulands Äußerungen ließ nicht lange auf sich warten.

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Der Unterschied zwischen Angreifer und Angegriffenem

Tatsächlich muss an dieser Stelle die Frage erlaubt sein, welche Leistungen Gauland hier genau meint: Die von den Deutschen begonnen Giftgasangriffe im brutalen Stellungskrieg im ersten Weltkrieg? Den gelungenen Überfall auf Polen, der den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs markierte? Die Massaker von Babi Yar oder Oradour-sur-Glane? Natürlich hat jeder Soldat welcher Nation auch immer für sein Vaterland gekämpft. Doch dabei muss man die Unterscheidung machen, dass die von Gauland erwähnten Franzosen und Engländer sich gegen jemanden verteidigten, der in Europa einen Vernichtungskrieg begonnen hatte. Es ist ein Unterschied, die Soldaten als Menschen wahrzunehmen oder auf ihre Leistung stolz zu sein.