Frankfurter stirbt bei Hausboot-Brand in Südafrika

Alex Mirschel versucht verzweifelt, seinen Vater zu retten - aber muss mitansehen, wie er stirbt

Das Feuer brach während einer zweitägigen Kreuzfahrt aus.
Das Feuer brach während einer zweitägigen Kreuzfahrt aus.
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13. Oktober 2021 - 8:50 Uhr

Sohn Alex Mirschel schildert tragische Erlebnisse

Es sollte ein schöner Urlaub werden und endete in einer Tragödie. Während einer Fahrt auf einem Hausboot auf einem See in Südafrika bricht plötzlich ein Feuer aus. Um sich vor den explodierenden Tanks zu retten, springen alle über Bord ins Wasser. Ein Frankfurter ertrinkt, sein Sohn überlebt und schildert auf Facebook dramatische Szenen.

Alex Mirschel: "Als wir ankamen stand das ganze Boot in Flammen"

Alex Mirschel, sein Bruder und zwei Freunde machten gerade einen Hausboot-Ausflug auf dem Jozini-See in der östlichen Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika. Sie hatten "jede Menge Spaß", "Papa war glücklich und begeistert von all den Eindrücken", schreibt der Sohn des Verstorbenen auf Facebook. Er, sein Bruder und ein Crew-Mitglied seien mittags dann auf einem Beiboot rausgefahren, um Elefanten zu beobachten. Als ein Sturm aufzieht, fahren sie wieder zurück zum großen Boot, beide kämpfen sich durch den Sturm in Richtung Bucht. "Als wir mit dem kleinen Boot vorausfuhren, sahen wir plötzlich ein Feuer auf dem Hausboot und eilten zurück. Als wir ankamen, stand das ganze Boot in Flammen", berichtet Alex weiter.

Seinem Vater und den anderen bleibt nur der Sprung ins Wasser, um sich vor den explodierenden Tanks zu retten. Aber "Papa stand bereits so sehr unter Schock, dass er leider keine Energie fand, eigenständig zu kämpfen. Ich konnte ihn zwar erreichen, aber nicht alleine oben halten." Die anderen Crew-Mitglieder helfen dem Vater, ziehen ihn aus dem Wasser und bringen ihn an Land – aber es ist zu spät "jegliche Reanimation von uns hat nichts mehr gebracht."

Behörden in Südafrika ermitteln

In "notdürftigen Fetzen" seien sie jetzt auf dem Weg in die deutsche Botschaft nach Pretoria – in einem unversicherten Mietwagen ohne Mietvertrag, so Mirschel. Von dort wollen sie versuchen, die achtstündige Autofahrt nach Richards Bay zu schaffen, wo der Vater obduziert werde.

Die südafrikanischen Behörden haben darüber hinaus ihre Untersuchungen begonnen, sagte ein Sprecher der der Südafrikanischen Behörde für Sicherheit im Seeverkehr (SAMSA) der Deutschen Presse-Agentur. Man ermittle "den Grund und die dahinter liegenden Ursachen" des Brandes, der am Sonntag während einer zweitägigen Kreuzfahrt auf dem Jozini-See in der östlichen Provinz KwaZulu-Natal ausgebrochen war.

Ein südafrikanisches Besatzungsmitglied ist nach Angaben von SAMSA ebenfalls bei dem Brand gestorben, ein weiterer Südafrikaner werde weiterhin vermisst. Das Boot befand sich den Angaben zufolge mit fünf deutschen Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern auf See, als schwarze Rauchwolken aus dem Motorraum aufstiegen. Das Feuer habe sich aufgrund starker Winde schnell ausgebreitet und Passagiere sowie Besatzung gezwungen, das Schiff trotz hohen Wellengangs zu verlassen.

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Sohn erhebt schwere Vorwürfe gegen Reiseveranstalter

Mirschel wirft dem Reiseveranstalter Fahrlässigkeit vor. In einem Brief an die Behörden schreibt er, dass das Boot, auf dem sie unterwegs waren, bereits zu Beginn der Fahrt ein Motorenproblem gehabt habe. Ein Mechaniker sei später an Bord gekommen, um es zu lösen. Außerdem sei die Sicherheitsausstattung an Bord unzureichend gewesen, das Personal nicht geschult, so der 35-Jährige.

Laut Eigentümerin des Reiseveranstalters "Shayamanzi", Kim Blevin, sei das Hausboot bei SAMSA registriert und regelmäßig "von Bug bis Heck" gewartet worden. Die Papiere des Hausboots seien auf dem neusten Stand gewesen, so Blevin.

Keine Klamotten, keine Pässe und kein Geld

In seinem emotionalen Post bittet Alex Mirschel auch um Unterstützung. Sein Ziel sei es jetzt, seinen Vater "ehrenvoll nach Hause zu bringen". Sonst habe er alles verloren, seine Klamotten, seine Pässe, sein Geld – alles sei auf dem Boot verbrannt. Er und seine Freunde seien aber weitestgehend unverletzt. (dpa/mlu)