Klimawandel-Profiteur verändert die Umwelt

Biber-Boom bedroht den arktischen Permafrost

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30. Juni 2020 - 17:13 Uhr

Neue Biber-Bauten lassen den Dauerfrostboden auftauen

Wo sich Polarfuchs und Alaskahase gute Nacht sagen, trägt sich laut neuen Forschungserkenntnissen ein heikler Wandel für die Umwelt zu: Weil es in vielen Tundra-Regionen Alaskas immer mehr flauschige Nager gibt, entstehen ständig neue Biberdämme und Seen, die den Dauerfrostboden auftauen.

Nager leiden nicht unter der Klimaerwärmung

Biber (Castor Canadensis) | Verwendung weltweit
Biber (Castor Canadensis) bei der Arbeit.
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Der Biber ist einer der wenigen Profiteure des Klimawandels: Während viele Arten Probleme mit den Folgen der Klimaerwärmung haben und einige in ihren Gebieten sogar auszusterben drohen, fühlen sich die Nager unter den veränderten Umständen durchaus wohl.

Die Tierart gedeiht regelrecht durch steigende Temperaturen und veränderte Bedingungen: Wie ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt berichtet, breiten sich die Nagetiere in Alaska zurzeit in rasanter Geschwindigkeit aus. Sie besiedeln viele Tundra-Regionen, in denen sie vorher nicht beheimatet waren.

Steigende Temperaturen lassen in immer mehr kleinen Tälern Büsche wachsen, die den Tieren Nahrung und Baumaterial liefern. Dünner werdende Eisdecken lassen das Leben der Biber zunehmend komfortabler werden.

Permafrost wird immer instabiler

Um sich vor Feinden zu schützen, fällen die bis zu 30 Kilogramm schweren Tiere im braunen Pelz Bäume und legen Staudämme an. Ihre Dämme bauen sie häufig an Stellen, an denen sich mit wenig Aufwand ein enormer Effekt erzielen lässt.

In jenen Gebieten der Erde, in denen der Boden dauerhaft gefroren bleibt, taut der sogenannte Permafrost wegen steigender Temperaturen sowieso schon verstärkt auf und wird instabil. Neue Seen bilden sich nun aber auch wegen der Arbeit der fleißigen Biber.

Die Folge: Das Auftauen wird weiter beschleunigt, weil das Wasser der Seen etwas wärmer ist als der Boden ringsum. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur lokale Gegebenheiten, sondern auch den Klimawandel insgesamt.

Zahl der Biber-Dämme um 5.000 Prozent gestiegen

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Ein von Bibern gebauter Damm.
© picture alliance / blickwinkel/H, H. Schulz

Amerikanische Forscher von der University of Alaska und der University of Minnesota berichten außerdem, dass die Nager in einem rund 18.000 Quadratkilometer großen Gebiet im Nordwesten Alaskas in nur fünf Jahren insgesamt 56 neue Seen geschaffen haben. Die Zahl der Dämme hat sich von 2002 bis 2019 um 5.000 Prozent erhöht – von nur zwei tierischen Bauwerken auf beachtliche 98.

Jeder zusätzliche See taut den Permafrost an seinen Ufern und an seinem Grund ein wenig an. Der gefrorene Boden kann sich zwar theoretisch wieder erholen, wenn die Dämme nach einigen Jahren brechen. Ob die Temperaturen trotz des Klimawandels dann aber noch kalt genug dafür sein werden, ist unklar.

Auch in Deutschland ist der Biber wieder auf dem Vormarsch. Lesen Sie hier, wie enorm der Biberbestand allein in Nordrhein-Westfalen angestiegen ist.