Al-Sisi gewinnt Präsidentenwahl – Regime enttäuscht von der Wahlbeteiligung der Ägypter

13. Juni 2014 - 20:21 Uhr

Ein Kommentar von Antonia Rados (Chefreporterin Ausland)

Mundhalten! Wählen gehen! Nur nicht auffallen! Das war die Stimmung in den vergangenen drei Wahltagen in Kairo. Kritiker von Feldmarschall Abdul Fattah al-Sisi wurden von dessen Anhängern niedergebrüllt. Nur zwei Worte wurden mir in Wahllokalen entgegengeschrien: Sisi! Sisi! Überall sah ich den wieder-auferstandenen Sicherheitsdienst. Früher Männer Mubaraks. Heute Männer von Sisi.

Ägypten, al Sisi, Rados
RTL-Chefkorrespondentin Ausland Antonia Rados bewertet den Wahlsieg von Feldmarschall al-Sisi in Ägypten.
© dpa, David Ebener

Die Niederschlagung von kleineren Protesten war für den erfahrenen Apparat ein Kinderspiel. Trotzdem funktioniert es nicht wie geplant: Viele Ägypter(innen) blieben zu Hause. Die leeren Wahllokale waren dem Regime peinlich. Die halb-offiziellen Zahlen von über 90 Prozent Stimmen für Sisi (ohne ernsthaften Gegenkandidaten) täuschen nicht darüber hinweg: Das Regime ist enttäuscht von den Ägyptern.

Am dritten Wahltag mobilisierte es seine letzten Kräfte: Journalisten von Sisi- treuen TV-Sendern hetzten gegen Nicht-Wähler. Ein Moderator schrie in die Kamera, jeder Nicht-Wähler sollte erschossen werden, oder noch besser, sich umbringen.

Wenn es einen internationalen 'Preis für die beste Propaganda' geben würde, Ägyptens Journalisten würden ihn mit Leichtigkeit gewinnen.

Ein bankrottes Land und eine enttäuschte Jugend

Sisi ist aber in den Augen seiner Anhänger der einzige, der sie vor "islamischen Terroristen" schützen kann. Er wird als Retter angesehen. Er wird Ägypten wieder groß machen, glauben sie. Mit einer Kampagne sollen wieder Touristen ins Land gelockt werden. Man müsse Sisi Zeit geben. Eine US- Firma, die Ägypten in einem guten Licht darstellen sollte, schickte ein TV- Team nach Kairo. Das Fernsehteam wurde verhaftet....

Einige Sisi- Plakate wurden von Unbekannten mit roter Farbe besprüht. Symbol, für das Blut, das im Juli 2013 bei Sisis Militärputsch vergossen wurde. Laut Menschenrechtsorganisationen gibt es nun 40.000 politische Häftlinge in Ägypten, darunter vor allem Muslimbrüder und Sympathisanten des 2013 gestürzten islamischen Präsidenten Mohammed Mursi. In Haft sind auch viele Jugendliche des arabischen Frühlings.

Das ist die Grundlage, auf der Präsident Sisi in den nächsten Jahren regieren wird: ein gespaltenes Ägypten, ein bankrottes Land, eine enttäuschte Jugend. Sie wird nicht ewig stillhalten.