Aktivisten weisen mit umstrittenem Schock-Foto auf das Bürgerkriegsleid in Syrien hin

'Stoppt das Töten von Kindern'.
'Stoppt das Töten von Kindern'.
© REUTERS, BASSAM KHABIEH

18. Februar 2015 - 8:23 Uhr

'Douma wird ausgerottet'

Was auf den ersten Blick wie eine neuerliche Teufelei der IS-Miliz aussieht, ist in Wirklichkeit ein vielleicht letzter verzweifelter Hilferuf syrischer Aktivisten, um auf die verheerende Lage hunderter Zivilisten in dem Bürgerkriegsland aufmerksam zu machen.

Kinder stehen zusammengepfercht in einem Käfig. Sie alle tragen orangefarbene Anzüge wie die Geiseln, die in den Propaganda-Videos des Islamischen Staates hingerichtet werden. Das umstrittene Foto, das in dem umkämpften Vorort von Damaskus, Douma, nachgestellt wurde, ist Teil einer Kampagne, die die Aktivisten in sozialen Netzwerken gestartet haben. Mit den Hashtags #DoumaExterminated ('Douma wird ausgerottet') und #AssadHolocaust verbreiten die Initiatoren Fotos und Videos, um auf das Leid und den Horror in ihrer Heimat hinzuweisen.

Allein im Februar starben knapp 400 Menschen bei Luftschlägen

Syrien
Jeden Tag sterben in Syrien Kinder. Machthaber Assad führt einen unerbittlichen Kampf gegen die Rebellen - ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.
© REUTERS, BASSAM KHABIEH

"Wir wollen den Menschen zeigen, was in der Rebellenhochburg Douma passiert und wie seine ihre Bewohner sterben. Sie verhungern oder sterben in den Flammen der Häuser, die Assads Armee bombardiert hat", sagte Azoz al-Raqqawi der 'Bild'-Zeitung. Der Aktivist gehört der Gruppierung 'Raqqa is being slaughtered silently' ('Raqqas lautloser Tod') an.

Die Fotos sind nach Angaben der Initiatoren deshalb so drastisch gewählt, weil der Kampf gegen den IS den weiter schwelenden Bürgerkrieg zwischen Syriens Machthaber Baschar al-Assad und Rebellen komplett in den Hintergrund dränge.

Mit welcher Brutalität der Krieg geführt wird, verdeutlichen neue Zahlen der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach sind seit Beginn des Monats Februar mehr als tausend Luftschläge durch Hubschrauber und Kampfjets der syrischen Luftwaffe durchgeführt worden, Dutzende Menschen ließen dabei ihr Leben. Hubschrauber warfen dabei mindestens 537 Fassbomben über bewohntem Gebiet ab, wie es heißt. Insgesamt seien bei diesen Luftschlägen knapp 400 Menschen - darunter 49 Kinder - getötet und etwa 1.200 verletzt worden.