Politiker und ihre Corona-Fails

Mike Pence trägt bei Klinikbesuch keine Maske - und propagiert wenig später genau das Gegenteil

08. Mai 2020 - 8:53 Uhr

Politiker und ihre Vorbildfunktion?

Politiker sollten eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen, wenn sie Regelungen anordnen und Gesetze verhängen. Eigentlich. Dass das oft nicht so gut klappt, demonstriert Mike Pence bei einem Klinikbesuch. Er trägt keinen Mund-Nasen-Schutz, obwohl es bei der Klinik ausdrücklich Vorschrift ist. Kurz nach dem Termin propagiert er in einem Statement genau das Gegenteil - All das sehen Sie im Video.

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Klinik macht Pence auf die Maskenpflicht aufmerksam

US-Vizepräsident Mike Pence steht am Bett eines Patienten in dem Krankenhaus in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota. Alle Personen um ihn herum bedecken Nase und Mund mit Masken - so, wie es das Krankenhaus auch angeordnet hat. Pence nicht. Besonders skandalös auch darum, weil Pence die Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses leitet.

Die "Mayo Clinic" schrieb auf Twitter, Pence sei vor seiner Ankunft über die Richtlinie zum Tragen von Masken informiert worden. Wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Tweets wurde dieser wieder gelöscht. Seit Mitte April verlangt die Klinik von allen Patienten und Besuchern, eine Atemschutzmaske zu tragen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Das sagt Mike Pence zu seinem Masken-Verzicht

Pence sagte mitreisenden Journalisten zufolge, dass er als Vizepräsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde, ebenso wie sein Umfeld. Und da er nicht infiziert sei, habe er gedacht, der Besuch sei eine gute Möglichkeit, um mit Forschern und Klinikpersonal zu sprechen und ihnen für ihre Arbeit zu danken.

Die Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt seit Anfang April, dass im Kampf gegen das Coronavirus auch gesunde Menschen ohne Symptome Stoffmasken in der Öffentlichkeit tragen sollten. Dies gelte vor allem für Situationen, in denen es schwierig sei, stets genügend Distanz zu anderen Menschen zu halten.

Annegret Kramp-Karrenbauer ohne Mundschutz und ohne Abstand

Aber Pence steht nicht alleine da. Auch deutsche Spitzenpolitiker bekleckern sich nicht immer mit Ruhm. Ohne Mund-Nasen-Schutz sprach auch die Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zu zahlreichen Pressevertretern. Ironie: Der Anlass war auch noch eine Lieferung von etwa 25 Millionen Schutzmasken aus China. Aber auch viele Pressevertreter standen extrem dicht beieinander und hielten sich nicht an den vorgeschriebenen Mindestabstand.

Dafür entschuldigte sich die Verteidiungsministerin via Twitter: "Mit Abstand geht es am Besten" Leider haben sich heute in Leipzig nicht alle an die Regeln gehalten. Das bedauern wir sehr und überprüfen auch unsere eigene Organisation. Muss wohl noch bei uns allen richtig eingeübt werden."

Jens Spahn: Voller Aufzug statt Mindestabstand

dpatopbilder - 14.04.2020, Hessen, Gießen: Bei einem Besuch der Uniklinik Gießen drängen sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU, l), und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, M) mit Begleitern in einem Fahrstuhl. Dafür, dass sie sic
Politiker in vollem Aufzug.
© dpa, Bodo Weissenborn, tba

Einen Mund-Nasen-Schutz trug er zwar, aber den Mindestabstand hielt er nicht konsequent ein. Die Rede ist von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Auf dem Foto ist zu sehen, wie mehrere Politker dicht gedrängt im Aufzug stehen. Insgesamt 13 Personen befanden sich in dem Aufzug. Neben Spahn haben auch Volker Bouffier, Hessens Ministerpräsident, und der Sozialminister Kai Klose kein gutes Beispiel im Aufzug ab. Es gingen sogar Anzeigen bei der Polizei ein.

Spahn versucht es wenig später mit einer Entschuldigung: "Dass es übrigens wichtig ist, Abstand zu halten, auch wenn man Mundschutz trägt, und dass das manchmal nicht so leicht fällt im Alltag, haben wir ja auch gerde wieder gemerkt. Alle nehmen sich vor: 'Nicht alle gleichzeitig in den Aufzug!' Und dann passiert es halt manchmal doch. Und das sind genau die Dinge des Alltags, wo wir alle miteinander auch über die nächsten Wochen und Monate weiterhin diszipliniert bleiben müssen und jeden Tag auch wieder miteinander lernen, wo man's noch ein Stück besser machen kann.", so der Bundesgesundheisminister.

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