Aigner: Gesetzesentwurf für weniger Antibiotika bei Tieren

Ilse Aigner sieht den begrenzten Einsatz von Antibiotika bei Tieren vor.
Ilse Aigner sieht den begrenzten Einsatz von Antibiotika bei Tieren vor.
© dpa, Bodo Marks

19. September 2012 - 17:42 Uhr

Tierhaltungsbetriebe "effektiver" überwachen

Ilse Aigner (CSU) will der exzessiven Vergabe von Antibiotika an Tiere einen Riegel vorschieben: Die Verbraucherschutzministerin will einen Gesetzesentwurf für weniger Einsatz von Arzneistoffen in der Tierhaltung vorlegen, berichtet die 'Rheinische Post'. Demnach sollen zum Beispiel Landwirte dokumentieren müssen, wie häufig Antibiotika zum Einsatz kommen. Was davon für die Heilung von Krankheiten in der Humanmedizin besonders wichtig ist, soll für den Einsatz in der Tierhaltung generell verboten werden. Die Gesetzesnovelle sieht dazu auch mehr Befugnisse für Kontroll- und Überwachungsbehörden vor.

Das Ziel sei, "das Risiko der Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen zu begrenzen" und die Tierhaltungsbetriebe "effektiver" zu überwachen, heißt es in dem Gesetzesentwurf, der der Zeitung vorliegt. Die Vergabe von Antibiotika an Tiere ist stark umstritten, da sie möglicherweise auch gesundheitsschädliche Folgen für Menschen zur Folge haben könnte. Außerdem gilt sie als Indikator für eine nicht artgerechte Haltung in Massenställen.

"Wir können den Einsatz von Antibiotika in Deutschland innerhalb weniger Jahre deutlich senken, wenn Länder und Bund an einem Strang ziehen", sagte Aigner dem Blatt zufolge. Sie betonte, dass das Ziel der ausschließlich notwendige Einsatz von Antibiotika bei kranken Tieren sei.

1.734 Tonnen Antibiotika an Tiere vergeben

Im vergangenen Jahr kamen in der Tierhaltung insgesamt 1.734 Tonnen Antibiotika zum Einsatz. Das gab das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit jetzt bekannt, das 2011 erstmals bundesweit die Vergabe von Antibiotika erfasst hatte. Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel sprach von "Horror-Zahlen". "Ich bin zutiefst erschrocken. Erneut haben wir es schwarz auf weiß, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast die Regel ist", teilte der Grünen-Politiker mit.

Im vergangenen Jahr war in Nordrhein-Westfalen festgestellt worden, dass bei der Hähnchenmast fast alle Tiere mit Antibiotika behandelt wurden. Der BUND hatte zudem eine Stichprobe veröffentlicht, nach der in Hähnchenfleisch antibiotika-resistente Keime gefunden wurden. Dies wird auf den massenhaften Einsatz von Medikamenten zurückgeführt.

Erste Konsequenzen aus dem Skandal um die exzessive Vergabe von Antibiotika an Tiere wurden bereits im Januar gezogen: In einer Novelle des Arzneimittelgesetzes sollen Tierärzte verpflichtet werden, die Vergabe von Antibiotika genau zu dokumentieren. Zudem sollen die Bestimmungen zur Verabreichung des Mittels verstärkt werden.