Prozessbeginn im Streit um gepfändete Mops-Dame Edda

Mops-Besitzerin verlangt 20.000 Euro Schadensersatz von der Stadt Ahlen

19. November 2019 - 10:06 Uhr

Ahlen: Hund Edda wurde als "kerngesund" verkauft - hat aber ein schweres Augenleiden

Die schwarze Mopsdame Edda war von der Stadt Ahlen gepfändet und bei ebay Kleinanzeigen als "kerngesund und reinrassig" verkauft worden – doch auf die neue Besitzerin Michaela Jordan warteten horrende Tierarztrechnungen. Deshalb hat sie die Stadt Ahlen jetzt auf Schadensersatz verklagt. Am Mittwoch hat der Prozess vor dem Landgericht Münster begonnen. Warum die Polizistin so enttäuscht vom Vorgehen der Stadt ist und wie es dem Mops nach zahlreichen Operationen heute geht – im Video.

Mitarbeiter der Stadt Ahlen verkaufte Mops Edda über ebay Kleinanzeigen

Glänzendes schwarzes Fell, samtige Pfoten und die typischen Kulleraugen: Eigentlich ist Edda ein ganz normaler Mops. Doch die Lebens- und Leidensgeschichte der Hundedame wird jetzt vor Gericht verhandelt. Edda wurde Ende 2018 von der Stadt Ahlen gepfändet, weil ihre Besitzer, eine Familie mit drei Kindern, Steuerschulden hatten. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung stellte das Tier dann anschließend zum Verkauf auf dem Portal "ebay Kleinanzeigen" – mit seinem privaten Account.

Mops Edda wurde als gesund verkauft - doch sie hat ein chronisches Augenleiden

Für 750 Euro wurde Edda dann von Michaela Jordan, einer Polizistin aus dem Rheinland, gekauft und bei sich zu Hause aufgenommen. Ein Spottpreis – reinrassige Möpse werden selten unter 2.000 Euro verkauft. "Ich habe den Hund gekauft, weil ich nicht wollte, dass er als Gebährmaschine in irgendeinem Keller landet", so die Mopsbesitzerin. "Mir wurde gesagt, dass der Hund amtstierärztlich untersucht ist und kerngesund. Dass der gechippt ist, dass der geimpft ist und dass er am Tag des Kaufes auch frisch entwurmt wurde", erzählt die 53-Jährige vor Prozessbeginn im Interview mit RTL.

Die Realität sah dann aber ganz anders aus: Weder war Edda geimpft, noch entwurmt – außerdem hat sie laut Michaela Jordan eine chronische Augenkrankheit. Zu allem Unglück steckte sie auch die anderen Hunde der 53-Jährigen mit Würmern an. Seit ihrem Umzug heißt Edda Wilma und musste eine ganze Reihe von Tierarztbesuchen und Operationen überstehen. Sie wird ihr Leben lang auf Medikamente angewiesen sein.

20.000 Euro für Tierarztrechnungen und Medizinkosten

Michaela Jordan mit einer Mops-Handyhülle
Edda/Wilmas neue Besitzerin Michaela Jordan fühlt sich von der Stadt Ahlen getäuscht und verlangt 20.000 Euro Schadenersatz für Tierarztkosten.
© RTL

Michaela Jordan fühlt sich von der Stadt Ahlen getäuscht und forderte den Kaufpreis sowie bereits entstandene Tierarztrechnungen zurück. Die Stadt wollte aber nicht zahlen, denn zum Zeitpunkt des Verkaufs sei Edda "fidel durch die Wohnung gelaufen", heißt es. Deshalb hat die selbsternannte "Mops-Fanatikerin" Michaela Jordan, die mit Edda aka. Wilma jetzt vier der Tiere besitzt, die Stadt auf Schadensersatz verklagt. 20.000 Euro will sie von der Kommune. Für bereits gezahlte und auch für zukünftig anfallende Tierarztrechnungen und Medizinkosten.

Außerdem solle nach Ansicht ihres Anwalts im Prozess ein für alle Mal geklärt werden, ob es wirklich rechtens war, den Hund seiner Familie wegzunehmen und bei ebay Kleinanzeigen zu verkaufen.

Klägerin Michaela Jordan ist zuversichtlich, dass die Stadt Ahlen ihr Geld zahlen muss

Dieser Hoffnung machte das Gericht am Mittwoch ein Strich durch die Rechnung. In einer ersten Einschätzung habe das Gericht keine Anhaltspunkte für eine Amtspflichtverletzung gesehen, sagte der Anwalt der Stadt Ahlen. Damit gehe es nur noch um die Schadensersatzforderung und nicht mehr darum, ob die Pfändung überhaupt rechtens war.

Klägerin Michaela Jordan und ihr Anwalt Wolfgang Kalla sind trotzdem zuversichtlich, dass sie Geld bekommen von der Stadt. "In einzelnen Positionen müssen wir Abstriche machen, aber der ganze Schaden, der der Klägerin entstanden ist, wie Tierarztkosten, Klinikkosten, die werden aus meiner Sicht der Klägerin zu erstatten sein, wenn die durch ein Gutachten bestätigt werden", sagte Wolfgang Kalla nach dem Termin.

Prozess ums Mopsdame Edda soll im Dezember fortgesetzt werden

Der Prozess soll Anfang Dezember fortgeführt werden. Bis dahin will das Gericht Zeugen und Sachverständige anhören. Im weiteren Verlauf soll geklärt werden, ob die Mopsdame wirklich schon bei Übergabe krank war oder ob das Augenleiden erst danach begann. Auch muss das Gericht klären, ob der Mitarbeiter der Stadt Ahlen in betrügerischer Absicht gehandelt hat und vorher wusste, dass das Tier möglicherweise krank ist.

Michaela Jordan sieht dem nächsten Termin positiv entgegen: "Ich hoffe, dass das so ausgeht wie ich mir das wünsche, dass man feststellen kann, dass der Hund schon vorher krank gewesen ist und dass dann die Gerichte auch so für mich entscheiden würden." Einen außergerichtlichen Vergleich lehnte sie ab.