Tödliche Tierseuche rückt immer näher

Afrikanische Schweinepest vor deutscher Grenze gemeldet

Nur 21 Kilometer vor der deutschen Grenze wurde ein positiver Wildschwein-Kadaver gefunden (Symbolbild).
© deutsche presse agentur

03. Januar 2020 - 13:55 Uhr

Schweinepest-Fall nur 21 Kilometer vor Deutschland

Die Afrikanische Schweinepest ist nach Angaben der Bundesregierung noch näher an die deutsche Grenze herangerückt. Ein positiv getesteter Wildschwein-Kadaver wurde nach Angaben des Bundesagrarministeriums vom Donnerstag nur 21 Kilometer von der Grenze entfernt gefunden. Was bedeutet das für uns und unsere Tiere?

Neue Schweinepest-Fälle vor Brandenburg und Sachsen

Dem Ministerium seien insgesamt acht neue Schweinepest-Fälle von den polnischen Behörden angezeigt worden. Ein weiteres mit dem Virus infiziertes totes Wildschwein lag demnach 32 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bisher betrug die kürzeste Entfernung eines bekannten Falles in Polen zur Grenze nach Deutschland 40 Kilometer.

Nach Informationen der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza", die sich auf Angaben der Veterinärbehörde stützt, sollen zwei der neuen Fälle im Kreis Zary in der Woiwodschaft Lebus aufgetreten seien. Die Stadt Zary (deutsch: Sorau) liegt südöstlich von Cottbus (Brandenburg) und nordöstlich von Bad Muskau (Sachsen). Dem Blatt zufolge ist nicht klar, ob die Wildschweine verendet sind oder abgeschossen wurden.

Das polnische Parlament hatte in seiner letzten Sitzung vor Weihnachten eine Gesetzesreform verabschiedet, die den Einsatz von Polizisten, Grenzschützern und Soldaten zum Abschuss von Wildschweinen ermöglicht.

Wie hoch ist das Risiko für Deutschland?

Im Grenzgebiet zu Polen besteht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) vom 23. Dezember ein hohes Risiko, dass die Schweinepest durch wandernde Wildschweine auf Deutschland übergreift. Die Behörden beider Länder stehen dazu im Austausch, nach Angaben der Bundesregierung ist Deutschland auf den Ernstfall vorbereitet. Im Januar soll es in Warschau ein Treffen der Chef-Tierärzte beider Länder geben.

Das Problem: Nicht die Wildschweine sind das Hauptproblem, sondern der Mensch, da sind sich Experten einig. Über weggeworfene Brote mit Wurst, die aus infizierten Haus- oder Wildschweinen hergestellt wurde, sowie mit Schlamm in Radkästen von Autos oder in Schuhprofilen kann das Virus in zuvor nicht betroffene Gegenden eingeschleppt werden.

Nach FLI-Angaben würde sich die Afrikanische Schweinepest pro Jahr nur 15 bis 20 Kilometer weiterbewegen, wenn sie nur von Wildschwein zu Wildschwein übertragen würde. Der Deutsche Jagdverband sagt klar: "Verantwortlich für die schnelle Verbreitung der Tierkrankheit über Hunderte von Kilometern ist der Mensch."

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest für Menschen?

Für Menschen ist die Tierseuche ungefährlich. Eine Übertragung zwischen Tier und Mensch ist bei dem ASP-Virus nicht möglich. Auch der Verzehr von infiziertem Fleisch birgt kein gesundheitliches Risiko, teilt das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit mit.

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest für unsere Tiere?

Die Afrikanische Schweinepest ist zwar eine Tierseuche, allerdings sind ausschließlich Haus- und Wildschweine betroffen, keine weiteren Nutz- oder Haustiere. Die Infektion mit dem ASP-Virus führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung, die fast immer tödlich endet.

Was bedeutet die Afrikanische Schweinepest für Bauern?

Die deutschen Bauern sind besorgt. Bei einem Ausbruch im Hausschweinbereich werden ein "Sperrbezirk" und ein "Beobachtungsgebiet" eingerichtet. Der "Sperrbezirk" direkt um den Hof hat einen Radius von mindestens drei Kilometern, das "Beobachtungsgebiet" mindestens sieben (insgesamt mindestens zehn Kilometer). In dem betroffenen Betrieb (Seuchenbetrieb) werden alle Schweine getötet und unter strengen Auflagen beseitigt, teilt der Deutsche Bauernverband mit.

Zudem würde Deutschland beim ersten Nachweis bei einem Wild- oder Hausschwein den Status als "seuchenfrei" verlieren, es drohten Exportstopps für Schweinefleisch etwa nach Asien.


Quelle: DPA/RTL.de