Afrikanische Schweinepest kommt näher: In Tschechien erstmals infizierte Wildschweine außerhalb des Kerngebiets

Wildschweinjagd gegen Schweinepest.
© dpa, Jens Büttner, jbu fgj

02. Februar 2018 - 12:17 Uhr

Afrikanische Schweinepest ist "ernsthafte Bedrohung in Deutschland"

Gerät die Afrikanische Schweinepest (ASP) jetzt außer Kontrolle? In Tschechien sind erstmals mit der Krankheit infizierte Wildschweine außerhalb des Kerngebiets aufgetaucht. Östlich von Deutschland verbreitet sich die Krankheit immer mehr - seit 2015 habe sich die Zahl der Erkrankungen von Jahr zu Jahr verdoppelt. Experten fürchten eine "ernsthafte Bedrohung für Deutschland".

Alarmierende Zahlen!

Im Jahr 2017 wurden in Polen, Tschechien, Rumänien, der Ukraine und den drei baltischen Staaten insgesamt 4.140 Fälle gemeldet. 2014 waren noch insgesamt 304 Fälle.

"Wir gehen davon aus, dass sich der Erreger inzwischen in Litauen, Lettland, Estland und in Ostpolen in der Wildschweinpopulation dauerhaft etabliert hat", sagt Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit. Dabei werde das Virus innerhalb der Population an immer neue Tiere weitergegeben.

Gerade der Mensch sorgt für seine Verbreitung

Besonders problematisch: Der Virus hält sich in infizierten Kadavern sehr lange, so dass sich daran Artgenossen infizieren, die ihn dann weitergeben. Und: Gerade der Mensch sorgt für seine Verbreitung. Denn in kontaminierten Schweineprodukten – das kann zum Beispiel ein Wurstbrötchen sein – legt der Erreger schnell über 1.000 Kilometer zurück. Durch Übertragung von Tier zu Tier sind es lediglich 15 bis maximal 30 Kilometer pro Jahr.

In Deutschland fordern Experten den großzügigen Abschuss von Wildschweinen, um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern.

300 Kilometer vor der bayerischen Grenze

Wie schwierig die Eindämmung der Seuche ist, zeigt sich im tschechischen Zlin. Die dortige Einrichtung von drei Bekämpfungszonen gilt als vorbildlich. Dennoch waren dort zehn infizierte Wildschweine außerhalb des 58 Quadratkilometer großen eingezäunten ASP-Kerngebietes gefunden worden. Es müsse nun genau beobachtet werden, ob diese Funde zu einer Ausbreitung der Infektion führen, sagte Mettenleiter. Das Gebiet liegt nur 300 Kilometer von der Grenze zu Bayern und Sachsen entfernt.