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Afrikanische Schweinepest: Bauernverband fordert Tötung von 70 Prozent aller Wildschweine

Werden Wildschweine zum Abschuss freigegeben ?
Werden Wildschweine zum Abschuss freigegeben ? Afrikanische Schweiepest droht 01:39

Umstrittene Maßnahme

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Osteuropa massiv aus, und die Seuche zieht westwärts. Deutschlands Bauern sind in großer Sorge. Deswegen fordert der deutsche Bauernverband (DBV) den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweine. Dafür müsse auch die Tötung von Muttertieren und Frischlingen erlaubt werden, sagte Vizepräsident Werner Schwarz der 'Rheinischen Post'.

"Leid der Tiere bei Jagd geringer als durch die Pest"

Ein Hinweisschild warnt am vor einem Gehege vom Heimat-Tierpark Olderdissen in Bielefeld
Ein Hinweisschild warnt in einem Tierpark vor der Schweinepest und der Fütterung von Wildschweinen mit Speiseresten. © dpa, Friso Gentsch, frg exa

Schwarz betonte, das Tierleid bei einer Jagd sei deutlich geringer als durch die Pest. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte den Forderungen zu. "Eine intelligente Reduzierung des Wildschweinbestandes spielt eine zentrale Rolle bei der Prävention", sagte Schmidt. Um das Ziel der Bestandsreduzierung zu erreichen, müssten auch die Schonzeiten für Wildschweine aufgehoben werden.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) appellierte an Jäger, vor allem junge Wildschweine zu erlegen, die maßgeblich zur Fortpflanzung beitrügen. "Noch ist das Virus nicht in Deutschland, doch je weniger Wildschweine pro Fläche leben, desto geringer ist im Ernstfall zumindest über Wildtiere die Ausbreitungsgefahr", erklärte ein Sprecher.

Eine Einschleppung der Seuche hätte dem Verband zufolge dramatische Konsequenzen, weil Deutschland kein Schweinefleisch aus der Tiermast mehr in Länder außerhalb der EU exportieren könne. Dieser Handel sei aber sehr wichtig, da solche Staaten Teile wie Pfoten, Ohren und Speck nachfragten, die von deutschen Verbrauchern nicht verzehrt würden.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit Jahren von Russland über das Baltikum Richtung Westen aus. Sie wird von Viren ausgelöst und befällt Haus- und Wildschweine. Für andere Tierarten und Menschen ist sie ungefährlich. Allerdings gibt es für Schweine weder Medikamente noch Impfstoffe. Ist ein Stall befallen, müssen sämtliche Tiere geschlachtet werden.

Bioenergie-Gewinnung trägt Mitschuld an der Wildschwein-Schwemme

Rapsfeld in Niederbayern
Raps bis zum Horizont: Der großflächige Anbau der Pflanzen hat dazu beigetragen, dass sich Wildschweine so stark vermehren konnten. © dpa, Armin Weigel

Der Bestand an Wildschweinen in Deutschland wächst seit Jahren. "Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der höchsten Wildschweindichte", so der DBV. Der Jagdverband forderte mehr Schneisen vor allem in Maisfeldern für höhere Abschusszahlen. Das Jagdverbot in vielen Naturschutzgebieten gehöre abgeschafft. "Gerade in Schilfflächen stapeln sich Wildschweine förmlich und vermehren sich."

Die Umweltschutzorganisation WWF hält das nicht für sinnvoll. "Der Ruf nach Jagd in Naturschutzgebieten ist purer Aktionismus und lenkt von den Ursachen der großen Bestandsdichte von Wildschweinen ab", sagte ein Sprecher. Die Zahlen gingen durch die Decke, seit der großflächige Anbau von Mais und Raps zur Bioenergie-Gewinnung stark zugenommen habe.

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