Kaum Tests, hohe Dunkelziffer

Afrika wird Corona-Epizentrum: Hungersnöte und Infektionen bedrohen den Kontinent

05. August 2020 - 15:48 Uhr

Unmut der afrikanischen Bevölkerung wächst

Luftbilder offenbaren, warum sich Corona in den Armenvierteln Afrikas so schnell ausbreitet. Allein Südafrika meldet inzwischen über eine halbe Million Infizierte – mehr als die Hälfte aller Fälle auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Im Video sehen Sie, warum der Unmut der afrikanischen Bürger immer stärker wird.

Enge Bebauung macht Abstand unmöglich

Proteste in Südafrika
Südafrikas Bürger besetzen unbebautes Land, um mehr Platz zu haben. Doch die Polizei greift hart gegen sie durch
© RTL

Von Tim Wege und Nicole Macheroux-Denault

"Unsere Häuser sind zu eng aneinander gebaut", klagt Gemeindevertreter Isaac Makhosi. "Wenn mein Nachbar vor seiner Hütte steht, ist er direkt vor meiner. Wir leben quasi zusammen. Einige haben Masken, andere nicht." Die fehlende Distanz macht die Einhaltung der Hygiene-Regeln unmöglich.

Für das Virus ein idealer Nährboden, um sich zu verbreiten. Auch Sikelele Boois lebt in einem Armenviertel von Kapstadt. Sie hatte bereits Covid-19, war bis vor kurzem in Quarantäne. Der Weg zu ihrem Zimmer ist ebenfalls eng – in ihrer Mini-Wohnung im Stadtteil Imizamu Yethu hat sie die Krankheit ganz auf sich allein gestellt auskuriert. "Ich habe alles getan, was man mir aufgetragen hat, aber es war so schwierig", sagt sie im RTL-Interview. Ohne Wasseranschluss musste sie trotz Erkrankung mehrfach am Tag vorbei an vielen Menschen zur Toilette laufen, die sie sich mit zwanzig Menschen teilt. "Man kommt kaum selbst klar und muss auch an andere denken. Das ist wirklich kein gutes Gefühl."

Test-Kits für Afrika nicht verfügbar

Offiziell sind auf dem afrikanischen Kontinent nun fast eine Millionen Menschen infiziert.  Doch wie hoch die Zahlen wirklich sind, lässt sich nicht sagen. Die Dunkelziffer ist hoch. "Es ist höchst wahrscheinlich, dass viele asymptomatische und frühe Fälle auf dem afrikanischen Kontinent nicht erfasst werden", erklärt Matshidiso Moeti, Direktor der WHO in Afrika. Der Kontinent habe ein riesiges Problem, Test-Kits auf dem Weltmarkt einzukaufen.

Der Gesundheitsminister der zentralafrikanischen Republik, Pierre Somse, fühlt sich von der Weltgemeinschaft im Stich gelassen: "Es heißt es gibt nicht genug Tests, aber wir hören wie Großbritannien und andere Länder täglich Tausende testen und wir in der Zentralafrikanischen Republik haben nicht einmal genug für 1-200 pro Tag."

Zahl unterernährter Kinder dramatisch gestiegen

Krankenhaus in Uganda
Ugandische Krankenhäuser schlagen Alarm: Ihre jüngsten Patienten sind unterernährt
© RTL

Weil es in vielen afrikanischen Ländern weiterhin strikte Handels- und Bewegungseinschränkungen gibt, löst die Corona-Krise zusätzlich Hungernöte aus. In Uganda hat die Zahl der unterernährten Kinder dramatisch zugenommen. Krankenhäuser melden teilweise einen Anstieg von mehr als 50 Prozent.

Doch der Unmut steigt fast überall. In Südafrika errichten viele Menschen auf unbebautem öffentlichem Land neue Hütten, um mehr Platz zu haben und Distanz wahren zu können. Die Polizei greift hart gegen sie durch. Die Besetzungen sind illegal, wenn auch ein deutliches Zeichen der Verzweiflung, die derzeit in den Armenvierteln des Landes herrscht.