Was die Terrorgruppe fordert

Taliban halten erste Pressekonferenz in Afghanistan - kommt jetzt die Schreckensherrschaft zurück?

Zabihullah Mujahid hat in einer Pressekonferenz über das Anliegen der Taliban gesprochen.
Zabihullah Mujahid hat in einer Pressekonferenz über das Anliegen der Taliban gesprochen.
© AP, Rahmat Gul, RG

18. August 2021 - 9:20 Uhr

Taliban sprechen in erster Pressekonferenz

Seit ihrer rasanten Machtübernahme in Afghanistan verbreiten die Taliban unter den Einheimischen, Ortskräften und auf der ganzen Welt Angst und Schrecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das unkontrollierbare Desaster in der Hauptstadt Kabul am Montagnachmittag als "bitter, dramatisch und furchtbar" beschrieben. Doch auf was muss man sich jetzt angesichts des Taliban-Vormarsches einstellen? Kehrt jetzt die Schreckensherrschaft wie bereits in den 1990er Jahren zurück? In einer Pressekonferenz haben die führenden Köpfe der Terrorgruppe zum ersten Mal über ihre Anliegen gesprochen.

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"Afghanistan ist nicht länger ein Schlachtfeld"

In der allerersten Pressekonferenz seit ihrer faktischen Machtübernahme in Afghanistan haben die militant-islamistischen Taliban versöhnliche Töne angeschlagen. Die Taliban hätten keine Feindseligkeiten mit irgendjemandem, sagte der langjährige Sprecher der Islamisten, Sabiullah Mudschahid, am Dienstag in Kabul. Er versichere seinen Landsleuten, auch jenen, die in Opposition zu den Islamisten gestanden hätten, dass eine allgemeine Amnestie gelte: "Wir haben all die begnadigt, die gegen uns gekämpft haben. Die Feindseligkeiten haben ein Ende", sagte er. "Wir wollen keine Probleme mit der internationalen Gemeinschaft haben. Afghanistan ist nicht länger ein Schlachtfeld."

Sie gelte auch für ehemalige Übersetzer von ausländischen Streitkräften. Man habe auch alle Soldaten begnadigt, die in den vergangenen Jahren mit ihnen gekämpft hätten, sagte Mudschadhid weiter. Auf eine Frage nach dem Tod vieler unschuldiger Zivilisten sagte er, das sei ohne Absicht passiert.

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Taliban: Sicherheit von Botschaften gewährleistet

Mudschahid versicherte zudem, dass die Sicherheit von Botschaften und der Stadt Kabul gewährleistet sei. Niemandem würde in Afghanistan etwas passieren. Das Chaos in Kabul der vergangenen Tage rühre von der Unfähigkeit der ehemaligen Regierung.

So steht es um die Frauenrechte

Die Taliban setzten sich auch für die Rechte von Frauen im Rahmen der islamischen Scharia ein. Frauen könnten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und anderen Bereichen tätig sein. Auch Medien sollten sich keine Sorgen machen. Sie müssten unparteiisch bleiben und Inhalte sollten nicht islamischen Werten entgegenstehen.

Mudschahid versprach zudem die Einbeziehung auch anderer Kräfte in eine neue Regierung. "Wenn die Regierung gebildet wird, werden alle einen Anteil haben", sagte er. "Wir haben Afghanistan in elf Tagen eingenommen", sagte er. Die Islamisten seien jedoch nicht für Macht hier, sondern um eine islamische Regierung aufzubauen. Ihre Kämpfer dürften private Häuser nicht betreten.

Nach ihrem rasanten Eroberungszug und der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani haben die Taliban am Sonntag die Macht im Land de facto übernommen. Viele Afghanen befürchten eine Rückkehr der Schreckensherrschaft der Islamisten der 1990er-Jahre, während der etwa Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren und die Vorstellungen der Islamisten mit barbarischen Strafen durchgesetzt wurden.

Wie dramatisch eine afghanische TV-Journalistin zuletzt über das Leben als Frau in ihrem Land gesprochen hat, lesen Sie hier. (dpa / cch)

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