Affen in grausamen Tierversuchen gequält: So rechtfertigen sich die Forscher

12. September 2014 - 20:36 Uhr

"Versuchstiere sind nach wie vor unverzichtbar"

Die Bilder von traumatisierten Rhesusaffen, die 'Stern TV' gezeigt hat, haben viele Zuschauer schockiert. Bundesweit fristeten im letzten Jahr laut Zahlen des Agrarministeriums 3,1 Millionen Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken ihr Leben in Versuchslaboren – darunter 1.686 Affen. Was Tierschützer für ethisch verwerflich halten, begründen Forscher mit der Entwicklung lebensnotwendiger Medikamente für den Menschen.

Mitarbeiter des Max-Planck-Institut schiebt Rhesus-Affen zu einem Experiment.
Traurige Realität am Max-Planck-Institut: Affen mit Implantaten in der Schädeldecke, die tagelang kein Wasser bekommen.

Nur durch Tierversuche konnten beispielsweise Medikamente gegen Brust- und Prostatakrebs, eine Chemotherapie bei Leukämie oder ein Impfstoff gegen Hepatitis B gefunden werden. Doch rechtfertigt das, dass den Tieren – wie die heimlichen Aufnahmen aus dem Max-Planck-Institut zeigen – Implantate zur Fixierung in die Schädeldecke gepflanzt werden und die Affen so tagelang auf einen Stuhl fixiert ohne Nahrung und Trinken verharren müssen? Forscher halten dagegen. Sie sagen, diese Tierversuche seien nötig, um Grundlagenforschung darüber zu betreiben, wie Wahrnehmung und Gedächtnis funktionieren.

Außerdem würden alternative Forschungsmöglichkeiten Tierversuche noch nicht gänzlich ersetzen können. "Wenn man die Krebsausbreitung im Körper untersuchen will, kann man das nicht in der Petrischale machen. Dazu braucht man einen Organismus, wo ein Organ befallen wird und wo man sehen kann, was als nächstes befallen wird", so Josef Zens vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

In einer schriftlichen Erklärung des Instituts heißt es: "Für die Weiterentwicklung und Optimierung beispielsweise von Hirnschrittmachern, wie sie bei Parkinson-Patienten eingesetzt werden, sind daher elektrophysiologische Ableitungen am Versuchstier nach wie vor unverzichtbar."

Peta: "Jeder Tierversuch ist ethisch verwerflich"

Für jeden Versuch mit Wirbeltieren brauchen Wissenschaftler eine behördliche Genehmigung, müssen genau begründen, warum er für ihr Forschungsziel nötig ist. Für Tierschützer geht das jedoch nicht weit genug. "Jeder Tierversuch ist ethisch vollkommen verwerflich", sagt Edmund Haferbeck von der Tierrechtsorganisation 'Peta'.

Das Regierungspräsidium überprüft nun dennoch, ob es dem Max-Planck-Institut nach dem 'Stern'-Beitrag die Genehmigung für die Affenversuche wieder entzieht.