Affäre Sergej Skripal: EU straft Russland massiv ab – Deutschland weist vier russische Diplomaten aus

Affäre Sergej Skripal: Die EU straft Russland massiv ab
Zahlreiche westliche Staaten reagieren auf den Giftanschlag auf Ex-Doppelagent Sergej Skripal, für den sie Russland verantwortlich machen.
ped hpl wst jai, dpa, Britta Pedersen

EU reagiert: Affäre um Sergej Skripal spitzt sich weiter zu

Wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien verschärfen die USA, Deutschland und mehrere andere westliche Staaten die Konfrontation mit Russland. Das Auswärtige Amt in Berlin kündigte die Ausweisung von vier russischen Diplomaten an. Sie müssen binnen sieben Tagen das Land verlassen.

Außenminister Heiko Maas: "Fakten und Indizien weisen nach Russland"

Insgesamt weisen 14 EU-Staaten russische Diplomaten aus, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk im bulgarischen Varna sagte. Dazu gehören Frankreich, Italien, die Niederlande, Dänemark, Polen und Tschechien. Großbritannien und Russland hatten bereits die Ausweisung von 23 Diplomaten des jeweils anderen Landes angeordnet. Die USA verweisen 60 russische Geheimdienstmitarbeiter des Landes. Außerdem wird das russische Konsulat in Seattle wird geschlossen. Die Ukraine weist 13 russische Diplomaten aus.

Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, die Entscheidung sei "nicht leichtfertig" getroffen worden. "Aber die Fakten und Indizien weisen nach Russland. Die russische Regierung hat bisher keine der offenen Fragen beantwortet und keine Bereitschaft gezeigt, eine konstruktive Rolle bei der Aufklärung des Anschlags spielen zu wollen." Mit der Ausweisung der russischen Diplomaten sende die Bundesregierung "auch ein Signal der Solidarität mit Großbritannien". Maas betonte zugleich: "Wir sind weiterhin offen für einen konstruktiven Dialog mit Russland, der zu vielen internationalen Themen notwendig bleibt."

Russland weist jede Verantwortung von sich

Bei dem Anschlag auf Sergej Skripal im britischen Salisbury waren Anfang März der Ex-Agent und seine Tochter schwer vergiftet worden. Die Täter nutzten dabei nach derzeitigem Ermittlungsstand den in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok. Russland weist jegliche Verantwortung für den Anschlag zurück.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten ihre Tonlage gegenüber Moskau bereits verschärft und erklärt, dass sehr wahrscheinlich Russland für den Anschlag auf den britisch-russischen Doppelagenten Skripal und seine Tochter Yulia verantwortlich sei. Sie beschlossen, den EU-Botschafter aus Moskau für Konsultationen zurückzubeordern.