AfD-Parteitag in Hannover: Meuthen und Gauland zu Vorsitzenden gewählt

02. Dezember 2017 - 20:39 Uhr

Mögliche Entscheidung im Richtungskampf der AfD

Der Europaabgeordnete Jörg Meuthen wurde auf dem AfD-Parteitag in Hannover wieder zum Bundesvorsitzenden gewählt. Der 56-Jährige erhielt 72 Prozent der Stimmen. 24 Prozent stimmten gegen ihn. Bei der Abstimmung gab es keinen Gegenkandidaten. Den Co-Vorsitz übernimmt Fraktionschef Alexander Gauland. Er wurde ebenfalls als einziger Kandidat mit 68 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt. Er wäre allerdings lieber stellvertretender Vorsitzender geworden, sagte er. "Ich habe mich in die Pflicht nehmen lassen." Die Partei sei in einer gefählichen Position gewesen.

Nach langem Hin und Her steht auch der andere AfD-Vorsitzende fest

Zuerst hatten der Berliner Landesvorsitzende Georg Pazderski und die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein für den Posten kandidiert. Nach zwei Wahlgängen gab es aber immer noch keine Entscheidung. Weder Pazderski noch seine Gegenkandidatin Sayn-Wittgenstein bekamen die ausreichende Mehrheit.

Im ersten Wahlgang für den Co-Vorsitz erhielt der als vergleichsweise gemäßigt geltende Pazderski nur rund 47 Prozent der Stimmen, die als weiter rechts eingeordnete Sayn-Wittgenstein rund 49. In der zweiten Runde kam Pazderski auf 49 Prozent, seine Gegenkandidatin auf knapp 48 Prozent. Der Parteitag wurde daraufhin für weitere Beratungen unterbrochen.

Sayn-Wittgenstein zog daraufhin ihre Kandidatur zurück.Auch Pazderski verzichtete. Er wurde schließlich zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Dafür kündigte Fraktionschef Alexander Gauland an, für den Posten kandidieren zu wollen. Medien hatten zuvor berichtet, dass der 76-Jährige nicht antreten wolle. Gauland selbst hatte sich nicht dazu geäußert und offen gelassen, ob er sich zur Wahl stellen würde oder nicht.

Polizei setzt Wasserwerfer gegen Demonstranten ein

Die Polizei hat mit Hilfe von Wasserwerfern mehrere Straßenblockaden rund um den AfD-Parteitag in Hannover aufgelöst.
Die Polizei hat mit Hilfe von Wasserwerfern mehrere Straßenblockaden rund um den AfD-Parteitag in Hannover aufgelöst.
© REUTERS, FABIAN BIMMER, IK

Politiker von SPD und Grünen bekräftigten ihre Forderung nach Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz - auch im Hinblick auf Bestrebungen einzelner AfD-Politiker, die Partei für die rechtsextreme und bereits beobachtete 'Identitäre Bewegung' zu öffnen. Er sei schon immer dafür gewesen, sagte SPD-Vize Ralf Stegner dem 'Handelsblatt'. Der Innenexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, hält das ebenfalls für "durchaus berechtigt".

Zu einer Proztestkundgebung gegen den Parteitag kamen zahlreiche Menschen. Rund 6.000 Demonstranten zogen laut Polizeiangaben vom Kongresszentrum in die Innenstadt. Die Polizei hat auch mit Hilfe von Wasserwerfern mehrere Straßenblockaden rund um den AfD-Parteitag in Hannover aufgelöst. Die Demonstranten hatten mehrere Zufahrtswege zum Veranstaltungsort blockiert. Dabei wurden mehrere Polizisten und mindestens ein Demonstrant verletzt. Zehn Menschen wurden verhaftet.