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AfD-Partei-Mitglieder gründen Vereinigung für Juden

In Offenbach wollen jüdische Mitglieder der AfD einen Parteiableger gründen.
In Offenbach wollen jüdische Mitglieder der AfD einen Parteiableger gründen. Quelle: iStockphoto/ Picture Alliance © iStockphoto

Am 7. Oktober soll in Offenbach eine Gründungsversammlung stattfinden

Mitglieder der Alternative für Deutschland wollen laut Medieninformationen einen bundesweiten Parteiableger für Menschen mit jüdischem Glauben gründen: die sogenannte "Jüdische Alternative für Deutschland". Bei einer Gründungsversammlung am 7.Oktober in Offenbach soll die "JAfD" offiziell ins Leben gerufen werden. Das ist kurios, denn der AfD wird häufiger selbst Antisemitismus vorgeworfen. 

Die AfD hat mutmaßlich 1.400 jüdische Mitglieder

"Es handelt sich um eine AfD-nahe, aber unabhängige Vereinigung", sagte Joachim Kuhs, Mitglied des AfD-Parteivorstands im Gespräch mit RTL.de. Solche Vereinigungen gebe es einige. Kuhs selbst ist Vorsitzender eines christlichen Anhängers namens "ChrAfD". "Grundsätzlich kommen da Menschen mit einer Gemeinsamkeit zusammen", so Kuhs weiter. Das sei in diesem Fall der jüdische Glaube. Wie viele jüdische Mitglieder die AfD tatsächlich hat, müsse man nach dem 7.Oktober sehen. Kuhs schätzt die Zahl auf ungefähr fünf Prozent aller Parteimitglieder. Bei insgesamt rund 28.000 Mitgliedern wären das 1.400 potenzielle Vereinigungsmitglieder.

Unter den jüdischen Mitgliedern der AfD ist auch Emanuel Krauskopf, der als Delegierter auf AfD-Parteitagen agiert hat. Er sagte bei einer Veranstaltung im Jahr 2017: "Die Problematik für uns Juden liegt darin, dass die Anzahl der Judenhasser steigt – und sie steigt mit jeder Woche, mit der mehr Moslems zu uns kommen."

Antisemitismus in der AfD?

Die Zahlen der Behörden deuten allerdings in eine andere Richtung: Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hat die Polizei insgesamt 1.453 antisemitische Übergriffe registriert, die zu 95 Prozent von Rechtsradikalen ausgeübt worden seien. Nur 25 dieser Angriffe seien von Muslimen ausgegangen.

Immer wieder wird auch Mitgliedern der AfD Antisemitismus vorgeworfen, zum Beispiel als Björn Höcke Anfang 2017 das Holocaust-Mahnmal in der Beliner Innenstadt als "Schande" bezeichnet hatte. Erst kürzlich hat eine Allensbach-Studie ergeben, dass antisemitische Einstellungen bei Anhängern der AfD grundsätzlich verbreitet sei.

Zentralrat der Juden: "AfD trägt zur aufgeheizten Stimmung bei"

Bislang hat sich der Zentralrat der Juden nicht zu der Vereinigung namens "JAfD" geäußert. Doch der Zentralrat steht der AfD grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz, hieß es von Ratspräsident Josef Schuster: "Zur aufgeheizten Stimmung trägt meines Erachtens auch erheblich die AfD bei. Daher sollten alle demokratischen Parteien darauf achten, sich die politischen Themen nicht von der AfD diktieren zu lassen."

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