Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Kennen Sie schon die 116 117?

Der unter 116 117 erreichbare Bereitschaftsdienst ist eine wichtige Anlaufstelle für akut Erkrankte. Foto: P. Pleul/Archiv
Der unter 116 117 erreichbare Bereitschaftsdienst ist eine wichtige Anlaufstelle für akut Erkrankte. Foto: P. Pleul/Archiv
© DPA

24. September 2018 - 14:03 Uhr

Ist das noch Schnupfen oder brauche ich eine OP? Notaufnahmen chronisch überlastet

Kaum ist das Wochenende eingeläutet, schon füllen sich die Wartezimmer der Notfallaufnahmen – Krankenhausärzte beklagen es schon seit langem. Doch in vielen Fällen handelt es sich bei den Patienten, die sie aufsuchen, nicht um echte Notfälle. Leichtes Fieber, Husten und Schnupfen – viele Menschen könnten entweder noch ein bis zwei Tage warten, um dann den Hausarzt aufzusuchen. Oder eben beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen anrufen. Doch vielen Menschen ist die Nummer 116 117 nicht bekannt. Das soll sich jetzt ändern.

Telefonnummer 116 117 soll endlich bekannter werden

Angesichts überlasteter Notaufnahmen in vielen Kliniken will die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) den ärztlichen Bereitschaftsdienst jetzt bekannter machen. Die Telefonnummer 116 117 müsse genauso geläufig werden wie die Notrufnummer 112, teilte die KVN am 18.9. in Hannover mit. Das Problem: Bisher kennt nur jeder Zweite die Nummer, unter der Patienten den Standort der nächsten Bereitschaftsdienstpraxis erfahren und beraten werden können.

Bei Bedarf kommt sogar ein Arzt nach Hause. "Die Nummer funktioniert ohne Vorwahl, gilt deutschlandweit und ist kostenlos – egal, ob Patienten oder deren Angehörige von zu Hause oder mit dem Mobiltelefon anrufen", betonte der stellvertretende KVN-Chef Jörg Berling.

Lange Warteschleifen zum Start des Dienstes

Zum Start des Dienstes Mitte April 2012 klagten sehr viele Menschen über zu lange Wartezeiten. Aufgrund von Personalmangel im Callcenter kam es zu Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Stunden, und in vielen Fällen verlief die Kommunikation zwischen den Callcenter-Mitarbeitern und den Notärzten vor Ort sehr schleppend. Die Ärztekammer Nordrhein versprach damals mehr Personal für die Hotline.

Und wie sieht die Situation heute aus? "Stundenlange Wartezeiten dürfte es nicht geben", sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Im Jahr 2017 haben rund sieben Millionen Menschen die Nummer gewählt." Von größeren Problemen sei nichts bekannt. Allerdings gibt Stahl zu: "Bei so vielen Anrufen ist natürlich nicht auszuschließen, dass es bei der einen oder anderen Anwahl Wartezeiten gegeben hat."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: Die wichtigsten Antworten

Beim Start des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes lief nicht alles glatt
Beim Start des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes lief nicht alles rund (Symbolbild).
© dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd jol
  • In welcher Situation hilft der Bereitschaftsdienst unter 116 117?

Bei allen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden vermittelt die 116 117 grundsätzlich außerhalb der regulären Praxis-Sprechstundenzeiten einen Bereitschaftsdienst, wenn der Patient dringend ärztliche Hilfe benötigt.

Bei schweren Unfällen und lebensbedrohlichen Notfällen muss der Notruf 112 gewählt werden!

  • Zu welchen Zeiten ist die Nummer erreichbar?

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist immer dann für die ärztliche Versorgung da, wenn die meisten Praxen geschlossen sind. Also in den Abend- und Nachtstunden, am Wochenende, an Feiertagen und mittwoch- sowie freitagnachmittags. Zu diesen Zeiten sind die Vermittlungszentralen der Kassenärztlichen Vereinigungen über die 116 117 telefonisch erreichbar.

  • Kommt der Bereitschaftsarzt zu den Patienten nach Hause?

Bereitschaftsärzte behandeln Erkrankte entweder in der eigenen oder in einer Bereitschaftsdienstpraxis, die Patienten aufsuchen können. Wenn der Gesundheitszustand des Patienten dies nicht erlaubt, kommt der Arzt auch zum Patienten nach Hause.

  • Ist der Bereitschaftsdienst auch für kranke Kleinkinder geeignet?

Der Bereitschaftsdienst informiert über den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst in der jeweiligen Region. Falls kein solcher in der Nähe existiert, sollte man die Rettungsstelle des nächstgelegenen Krankenhauses aufsuchen.

  • Was kostet der Anruf?

Die Nummer ist für den Anrufer immer kostenfrei – egal, ob er vom Festnetz, vom Mobiltelefon oder über das Internet (Voice over IP) anruft.

  • Wer übernimmt die Kosten für die Behandlung durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst?

Die Kosten der Behandlung werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen (hier abhängig vom Vertrag und Selbstbehalt) übernommen. Die Logistikkosten für den ärztlichen Bereitschaftsdienst – also die Kosten für die Organisation, die technische Umsetzung, den Aufbau und Betrieb der Leitstellen und Callcenter etc. – werden von den niedergelassenen Ärzten finanziert.

Weitere Informationen zum 116 117-Dienst finden Sie hier.

Quellen: DPA / RTL / 116117.de