Ärztemangel in Deutschland: Was Kliniken auf dem Land tun müssen, um Nachwuchs zu finden

04. April 2018 - 11:36 Uhr

Die Zahl der Ärzte steigt – die Versorgung wird trotzdem schlechter

Wenn man sich die Statistik anschaut, sieht eigentlich alles ganz gut aus. 2017 gab es so viele berufstätige Ärzte in Deutschland wie noch nie. Laut der Bundesärztekammer waren es 385.149 und damit 6.542 mehr als im Vorjahr. Trotzdem droht die medizinische Versorgung in manchen Regionen demnächst zusammenzubrechen.

Ältere Ärzte finden keine Nachfolger

"Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen", erklärte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer.

Die Deutschen werden immer älter und sind darum auch auf mehr ärztliche Behandlung angewiesen. Doch das größte Problem ist, dass es immer weniger Ärzte gibt, die sich mit einer eigenen Praxis niederlassen. Viele schreckt das hohe Arbeitspensum ab, denn im Schnitt arbeiten niedergelassene Ärzte im Schnitt über 50 Stunden pro Woche. Jeder fünfte hat sogar eine wöchentliche Arbeitszeit von 60 bis 80 Stunden. Viele suchen sich darum lieber irgendwo eine Anstellung, um nicht ständig Überstunden machen zu müssen.

Viele ältere Ärzte haben Probleme einen Nachfolger zu finden, wenn sie in Rente gehen. Gerade in ländlichen Gebieten kommt es zu Versorgungsengpässen. Rund 109.000 Ärzte sind der Bundesärztekammer zufolge zwischen 50 und 59 Jahre alt. In den nächsten Jahren werden also besonders viele Mediziner ins Rentenalter kommen, wodurch sich das Problem noch verschärfen wird. Denn es rücken einfach zu wenig junge Ärzte nach. Fast jeder vierte niedergelassene Arzt plane, in den nächsten fünf Jahren seine Praxis aufzugeben.

Ländliche Regionen wollen attraktiver werden für junge Ärzte

Ärztemangel auf dem Land
Auf dem Land gibt es vor allem zu wenige Hausärzte.
© dpa, Oliver Berg

Um das Problem zu lösen, müssten mehr junge Leute zum Medizinstudium zugelassen werden, meinen Experten. Denn wenn es mehr Studenten gebe, gebe es am Ende auch mehr Absolventen. "Immer mehr Bewerber müssen sich um immer weniger Studienplätze in der Humanmedizin bemühen", sagte Montgomery. Es seien mindestens zehn Prozent mehr Studienplätze nötig. Die Medizinstudenten müssten auch stärker an die Allgemeinmedizin beziehungsweise an die hausärztliche Tätigkeit herangeführt werden, denn gerade in diesem Bereich fehlt es an Fachkräften.

Einen anderen Lösungsansatz haben sich mehrere Kliniken auf dem Land ausgedacht. Weil es schwer ist, junge Ärzte in abgelegene Gebiete zu locken, machen sie Medizinstudenten besonders attraktive Angebote. Die Krankenhäuser übernehmen die Studiengebühren, im Gegenzug müssen sich die Medizinstudenten verpflichten, die ersten Berufsjahre im Krankenhaus auf dem Land zu verbringen. Wie das funktioniert, sehen Sie im Video.