"Sie müssen sofort von der Insel gebracht werden"

Ärzte ohne Grenzen: Flüchtlingscamp Moria muss evakuiert werden

11. September 2020 - 16:45 Uhr

Lesbos: 12.000 Migranten wurden obdachlos

Zwei Tage nach den schweren Bränden im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos können die Mediziner von Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Aber die Hilfsorganisation fordert, die mehr als 12.000 obdachlos gewordenen Migranten von der griechischen Insel zu holen. "Die gesamte Situation ist völlig inakzeptabel", erklärt Marco Sandrone, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in dem Lager auf Lesbos, in unserem Video.

"Die Menschen brauchen eine sichere Zuflucht"

Es sei entsetzlich, dass man die Menschen nun zwinge, nach einer solch traumatischen Erfahrung im Freien zu schlafen, sagt Sandrone. "Die Menschen brauchen eine sichere Zuflucht, nicht in Moria, nicht auf Lesbos. Sie müssen sofort von der Insel gebracht werden."

Ärzte-ohne-Grenzen-Expertin: Bundesregierung muss handeln

Marie von Manteuffel, Expertin für Flüchtlingspolitik bei Ärzte ohne Grenzen, nimmt die Bundesregierung in die Pflicht, die seit dem 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Die Regierung müsse dafür sorgen, "dass diese lebensgefährdenden Zustände in EU-Hotspots ein für allemal beendet werden", erklärte Von Manteuffel. "Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hatte, dass die derzeitige europäische Abschottungspolitik nur zu Verzweiflung und Spannungen führt, dann ist er hiermit erbracht." Die Ereignisse in Moria seien Zeugnis "einer verfehlten Politik, die Verzweiflung und Elend bewusst schürt und zur Abschreckung missbraucht".

Bislang hat sich Deutschland dazu bereit erklärt, 100 bis 150 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen.

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Migranten sollen Feuer im Flüchtlingscamp Moria gelegt haben

Das Flüchtlingslager Moria war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen knapp 3.000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht. Einige der Migranten sollen Feuer gelegt haben, nachdem für die Bewohner des Lagers wegen Corona-Infektionen Quarantäne verordnet worden war. Viele Flüchtlinge verloren ihr gesamtes Hab und Gut.