Ärzte ließen Frühchen Charlotte sterben

10. Februar 2016 - 11:54 Uhr

Charlotte starb nackt auf dem Bauch ihrer Mutter

In Krankenhäusern fallen täglich Entscheidungen über Leben und Tod, aber in einer Kölner Klinik hat sich ein echtes Drama abgespielt: Melanie Lang brachte am 13. Juni 2007 ein Frühchen zur Welt - nach nur 22 Schwangerschaftswochen. 54 Minuten später war die kleine Charlotte tot. Der Grund: Das Krankenhaus versorgt Babys erst ab der 23. Woche intensiv-medizinisch. Mutter Melanie Lang klagt nun gegen die Frauenklinik Holweide, den behandelnden Arzt und eine Hebamme.

Frühchen kurz nach der Geburt (Symbolbild).
Frühchen-Mutter Melanie Lang erhebt schwere Vorwürfe gegen die Frauenklinik Holweide (Symbolbild).
© dpa, Daniel Karmann

Charlotte starb nackt auf dem Bauch ihrer Mutter. Die Ärzte sollen das 460 Gramm leichte Baby nicht einmal abgenabelt und die Luftröhre freigesaugt haben. Wäre Charlotte nur drei oder vier Tage länger im Mutterleib geblieben - ein hochspezialisiertes Ärzteteam hätte sie per Kaiserschnitt auf die Welt geholt und um ihr Leben gekämpft. "Dieses Krankenhaus hat nichts dafür getan, um das Leben meines Kindes zu retten. Es wurden keinerlei Untersuchungen gemacht. Nach ihrer Geburt hat man sie einfach sterben lassen", sagt Melanie Lang.

Doch auch, wenn Charlotte sofort behandelt worden wäre, ihre Überlebenschance wäre laut Gutachten sehr gering gewesen und selbst wenn sie überlebt hätte - sie hätte wohl extreme Folgeschäden gehabt. Das Kind kam in einer medizinischen und juristischen Grauzone zur Welt. Melanie Lang ist in der 22. Schwangerschaftswoche, als sie mit einem Blasenprung in die renommierte Frauenklinik Holweide gebracht wird.

Melanie Lang kämpft um Schmerzensgeld - und Gerechtigkeit

Es gibt keine gesetzliche Regelung, ab wann Frühchen behandelt werden müssen. Es gibt aber Leitlinien, die medizinische Fachgesellschaften gemeinschaftlich verfasst haben. Darin heißt es für Frühgeborene ab der 22. bis zur 24. Woche: "Die Entscheidung über eine lebenserhaltende oder eine palliative Therapie hat in jedem Einzelfall den (...) ethischen und rechtlichen Grundsätzen zu entsprechen und sollte im Konsens mit den Eltern getroffen werden."

Die Behandlungsgrenze vor der 24. Woche ist aber von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Melanie Lang sagt, davon wusste sie nichts, sie hätte sich sonst eine andere Klinik gesucht. "Dass darüber nicht beraten wurde ist der Vorwurf, den die Klägerin erhebt und wenn das ein Behandlungsfehler ist, was hier zu entscheiden ist, kann das eine Schmerzensgeldverpflichtung nach sich ziehen", sagt Dirk Esser vom Landgericht Köln.

Charlottes Mutter kämpft weiter. "Ich finde in so einer Situation sollte man die Entscheidung doch denjenigen überlassen, die mit den Kindern leben müssen und nicht irgendwelchen Ärzten oder Hebammen", so die TV-Produzentin. Die Klinik will sich derzeit nicht äußern. Das Gericht versucht nun, beide Parteien zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen.