Ärzte beschließen Sterbehilfe-Verbot

Sterbehilfe vor dem Aus? Der Ärztetag in Kiel steht vor einer ethisch heiklen Entscheidung.
© dpa, Oliver Berg

09. Februar 2016 - 13:03 Uhr

Ärzte ringen um Sterbehilfe

Der Ärztetag in Kiel hat ein Verbot der Sterbehilfe beschlossen. Die Ärzte dürfen demnach keine Hilfe zur Selbsttötung auch bei todkranken Patienten leisten. Ein entsprechender Vorstandsantrag der Bundesärztekammer fand nach kontroversen Debatte in Kiel eine Mehrheit. Dafür stimmten 166 Delegierte, dagegen 56, es enthielten sich 7.

Mehrere Delegierte hatten sich vehement gegen ein Verbot gewandt. Mehrere Änderungsanträge lagen vor. Nach der bisherigen Berufsordnung dürfen Ärzte das Leben des Sterbenden "nicht aktiv verkürzen". Nun heißt es: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten."

In einer von der Kammer selbst in Auftrag gegebenen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2009 waren 30 Prozent für eine Regelung, die einem Arzt erlaubt, einen Todkranken beim Suizid zu unterstützen - etwa mit tödlichen Medikamenten, die der Patient selbst einnimmt.

"Wir wollen keine Öffnung zum ärztlich assistierten Suizid", sagte Sprecher Frank Ulrich Montgomery. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, Fälle, bei denen ein ärztlich assistierter Suizid vorkomme, würden selten bekannt. "Das ist ja ein Zweierbündnis, und der eine von beiden verstirbt." Noch vor wenigen Monaten hatte Hoppe gesagt: "Wenn Ärzte mit sich selbst im Reinen sind, brechen wir nicht den Stab über sie." Doch die Berufsordnung ist bindend - Verstöße können zur Aberkennung der Approbation führen.

Der Präsident der Gesellschaft für Palliativmedizin, Friedemann Nauck, zeigte sich zuversichtlich, dass weniger Patienten nach aktiver Sterbehilfe oder Hilfe beim Sterben fragen, wenn die Ärzte mit ihren Patienten offen über deren Ängste sprechen. Zentral sei ein weiterer Aufbau von Palliativmedizin in Deutschland. Dabei zähle auch gute Symptomkontrolle und gute Schmerzlinderung. "Es bestehen Defizite", sagte Nauck. Dies betreffe Ausbildung, Finanzierung und flächendeckende Angebote.

PID: Zulassung in engen Grenzen

In der Streitfrage von Gentests an Embryonen aus dem Reagenzglas sprach sich der Ärztetag für eine Zulassung in engen Grenzen aus. Vor der Bundestagsentscheidung dazu am 30. Juni beschlossen die Mediziner Kriterien, nach denen die PID durchgeführt werden soll. Der Antrag erhielt nach intensiver Debatte 204 Ja-Stimmen, 33 Delegierte stimmten dagegen, 6 enthielten sich.

Die PID soll demnach nur für Erkrankungen durchgeführt werden, für die bei einem Paar ein hohes genetisches Risiko bekannt ist. Die Ärzte fordern, dass Einzelfälle in PID-Kommissionen anonym geprüft werden, die bei den Landesärztekammern eingerichtet werden.

Angesichts des dramatischen Mangels an Spenderorganen in Deutschland wollen die Ärzte die Bürger verstärkt von einem Ja zur Spende überzeugen. Ziel sei eine Pflicht, wonach alle Bürger ab einem bestimmten Alter eine Erklärung abgeben sollen, sagte Kammergeschäftsführer Christoph Fuchs. Liegt nach dem Tod keine Erklärung vor, könnten dem Verstorbenen dennoch Organe entnommen werden. Davor soll allerdings der mutmaßliche Wille gemeinsam mit den Angehörigen ermittelt werden. Heute gelten nur Besitzer eines Spenderausweises als Organspender. Man muss sich also zu Lebzeiten erklärt haben. In allen anderen Fällen müssen die Verwandten ihr Einverständnis abgeben.