Ärger wegen SS-Liedern: Heino überbringt fragwürdiges Gastgeschenk in NRW

23. März 2018 - 9:23 Uhr

Auch die SS hörte "Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder"

Der Begriff "Heimat" ist zurzeit in ganz Deutschland schwer in Mode. Im Bund wurde deshalb gleich mal das Innenministerium von Horst Seehofer um das Ressort "Heimat" erweitert. Auch die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW gründete ein Heimatministerium. Und Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) ist jetzt in ein erstes, kleines Fettnäpfchen getappt. Schuld daran ist Schlagersänger Heino (79), der dem Land das Doppelalbum "Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder" geschenkt hat. Darauf sind Lieder, die schon bei der SS hoch im Kurs standen.

Heinos Geschenk: Deutschtümelei und martialische Texte

Eigentlich ist es ja ein ganz harmloses Foto: Schlagerbarde Heino überreicht Nordrhein-Westfalens Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) ein Vinyl-Album. Anlass für das musikalische Gastgeschenk war der erste NRW-Heimatkongress. Doch der Inhalt der Platten sorgt in Düsseldorf für Zündstoff. Zwar stammen viele der 24 Lieder auf dem Doppelalbum schon aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon, trotzdem - oder gerade deshalb - waren einige auch bei den Nationalsozialisten sehr beliebt.

Lieder wie "Wenn alle untreu werden" schafften es etwa ins "Liederbuch der SS". Und überhaupt wimmelt es auf Heinos Geschenk von Deutschtümelei und teils martialischen Texten. Die Alben seien "bei der Übergabe nicht unter dem Aspekt der politischen Korrektheit überprüft worden", teilte Scharrenbachs Ministerium mit. Man wolle unter keinen Umständen mit "nationalsozialistischer Ideologie in Verbindung gebracht werden".

NRW-SPD reagiert empört

Kritik gab es aus der SPD-Landtagsfraktion. Dort wollte man wissen, weshalb Heino - "bei seiner Geschichte" - denn überhaupt einer von 47 "NRW-Heimatbotschaftern" werden konnte. Der Schlagersänger gab etwa während der Apartheid in Südafrika seinen Hit "Schwarzbraun ist die Haselnuss" zum Besten oder sang für den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und einstigen NS-Marinerichter Hans Filbinger alle drei Strophen des Deutschlandlieds.

Dass von den "Heimatbotschaftern" ausgerechnet Heino auf dem Kongress auftrat, soll laut dem Ministerium übrigens ein Zufall gewesen sein. Alle anderen, darunter Ex-Fußballnationalspieler Gerald Asamoah oder TV-Koch Nelson Müller, waren wohl verhindert.